Bequemlichkeit versus Privacy

Rückblickend kann man sagen, dass das Jahr 2017 den Durchbruch für virtuellen Assistenten gebracht hat. Amazon Alexa, Google Home & Co. haben weltweit enorme Wachstumraten erzielt. In den USA nutzen mittlerweile über 50 Millionen Haushalte ein solches Gerät. Schätzungen von Experten gehen von einem Anteil von über 55% im Jahr 2022 aus (Quelle). Wir in der Schweiz bekommen das einfach nicht mit, da bei uns die Geräte nur über Umwege zu kaufen sind und keine eigentliche Unterstützung für Schweizer Dienste und “Schwizerdütsch” bringen.

Das dürfte sich aber bei uns dieses Jahr ändern. Google Home & Amazon unterstützen mittlerweile auch schweizerdeutsch. Dies habe ich auch mehr zufällig über das letzte Wochenende herausgefunden und war doch etwas erstaunt. Jedoch wurde mir dies von Amazon auf Twitter auch bestätigt (https://twitter.com/murratore/status/952613136917516288). Falls Amazon wie in gewissen Medien angekündigt auch in die Schweiz kommt, wird sie wohl ihr Paradepferd auch an den Start bringen.

Doch wie kann sich ein Gerät welches immer zuhört, alles aufzeichnet und erst noch von den grossen, nicht unbedingt beliebten Internet-Plattformen entwickelt wird, sich so durchsetzen? Jeder hat doch grosse Bedenken bezüglich Datenschutz. Und trotzdem machen es Millionen von Menschen – und nicht nur in den USA auch in Deutschland wo die Menschen generell sehr skeptisch sind bezüglich Datenschutzthemen.

Sascha Lobo ist einer der bekanntesten Technologiekommentatoren im deutschsprachigen Raum. Seine Begründung ist so simpel, und trifft den Nagel trotzdem auf den Kopf: Bequemlichkeit. Den unbedingt empfehlenswerten Kommentar gibt es auf Spiegel Online.

http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/sprachsteuerung-im-alltag-ohne-geht-es-nicht-mehr-kolumne-a-1187056.html

Wenn man den Verlauf der Nutzung der digitalen Geräte ansieht, dann fällt auf, dass die Bedienung immer einfacher und unkomplizierter geworden ist. Anfangs konnten nur Cracks und Forscher Mainframe-Computer bedienen. Irgendwann kam der PC mit Maus und Tastatur, danach folgte die Touchbedienung. Die Sprachsteuerung ist nun die niederschwelligste Interaktion. Wer reden kann, kann einen virtuellen Assistenten nutzen. Es ist einfach, umkompliziert und vor allem wer es einmal genutzt hat, will nicht mehr zurück. Der Fachbegriff dafür lautet “progress of no return”. Das Wall Street Journal schreibt, dass die nächste Milliarde Internetnutzer vor allem Sprache verwenden werde um in der digitalen Sphäre zu interagieren. Da pflichte ich bei – es wird darum auch Zeit, dass die Schweiz und Schweizer Unternehmen sich mit den virtuellen Assistenten auseinandersetzen.

10 Dinge welche Kinder die heute geboren werden, wahrscheinlich nicht mehr erleben werden

Wenn man sich ab und zu mal zurückbesinnt an seine Kindheit, kommen einem immer wieder Dinge in den Sinn welche heute so kaum oder gar nicht mehr vorhanden sind – für mich beispielsweise Musik-CDs und Telefonkabinen. Handkehrum gab es viele Dinge welche heute für uns alltäglich sind, gab es damals noch gar nicht.

Der Internet Blog “Futurism” beschäftigt sich – wie der Name schon sagt – mit der Zukunft. Den Blog kann ich jedem Zukunftsinteressierten nur ans Herz legen. Sehr spannende und gut recherchierter Inhalt.

Im Artikel “10 Things Children Born in 2018 Will Probably Never Experience” wagt der Blog einen Aussblick was sich alles verändern wird und in rund 20 Jahren möglicherweise nicht mehr vorhanden sein wird. Oder wenn dann als Randerscheinung.

Meine persönliche Lieblinge sind Papiergeld und der Auto Führerschein. Beides Dinge wo ich im übrigen auch beipflichten würde.

Whatsapp hat Telefonie verdrängt

Beim Aufkommen der Handies war deren Verwendungszweck glasklar – man nutzte es zum Telefonieren. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr andere Anwendungen hinzu. Zu Beginn war es SMS, dann kam Surfen (zwar noch umständlich mittels “WAP”), danach fotografieren. Bis wir schlussendlich beim Smartphone angekommen sind wo man installieren kann was man will, getreu dem Motto “There’s an App for that”.

Heute wird das Handy für alles andere als Telefonieren genutzt. Telefonieren ist nur noch eine Randerscheinung. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Telekomanbieter Quickline auf. Mit Abstand am häufigsten wird das Smartphone gebraucht für Whatsapp (70%!). Danach folgt das Surfen im Internet (52%!).

Quelle: Quickline

Wichtig aus meiner Sicht ist in diesem Kontext wie sich der Gerätenutzen über die Zeit radikal verändert hat. Gleiches kann man auch bei anderen Geräten beobachten (Fernseher, virtuelle Assistenten). Ich bin überzeugt, dass man als Dienstleister sich immer bewusst sein muss, wie und für was ein Kunde seine Geräte und Kommunikationsmittel nutzt. Naheliegend und konsequent wäre es nun also wenn man als Firma auch auf Whatsapp präsent wäre und dort die Kommunikation darüber anbietet.

Source: Whatsapp hat Telefonie verdrängt – IT Magazine

Siri, Alexa, Cortana und Google Assistant im Notfall-Test – SPIEGEL ONLINE

Sprachassistenten wie Amazon Alexa/Echo, Google Home oder auch Apple Siri stehen vermehrt bei Menschen in den vier Wänden. Man geht davon aus, dass in den USA (wo solche Devices immer als erstes veröffentlich werden) schon über 60 Millionen Geräte vorhanden sind. Wenn man diese Geräte einsetzt, hat man in der Regel auch mehr als ein Gerät im Haushalt stehen.

Wer schon mal andere Personen – insbesondere Kinder – bei der Interaktion mit diesen Sprachassistenten beobachtet hat, merkt schnell dass da eine andere Art der Kommunikation stattfindet. Diese ist viel persönlicher als über eine Computer/Smartphone Oberfläche. Das wird auch bewusst so von den Herstellern instrumentalisiert. So können alle Assistenten Witze erzählen, Lieder singen oder auch einfach nur einen schönen Tag wünschen.

Durch diese persönlichere Interaktion, liegt es auch nahe dass persönlichere Themen angesprochen werden. Spiegel Online hat ihr ein paar interessante Experimente gemacht und geschaut, was die gängigen Assistenten antworten bei “heiklen” Fragen/Aussagen. So wurde zum Beispiel gesagt “Mit geht es schlecht” oder “ich blute” und die Antwort verglichen. Im Falle von ich blute wird beispielsweise von Apple Siri die nächstgelegenen Krankhäuser aufgezählt und ein Besuch empfohlen.

Wenn an diese Überlegungen weiterführt, so wäre es mittelfristig auch denkbar, dass diese Assistenten auch direkt Aktionen ergreifen und Notärzte etc. aufbieten. Vor allem wenn kein Telefon in der Griffnähe ist nach einem Sturz, merkt man schnell was für ein Potential hier auch vorhanden sein kann.

Quelle: Siri, Alexa, Cortana und Google Assistant im Notfall-Test – SPIEGEL ONLINE

Swiss Innovation Forum – zwei ausgewählte Präsentationen

Ich durfte letzten Donnerstag am Swiss Innovation Forum teilnehmen. Ein einzigartiger Anlass – auch wenn die letztjährige Tagung für mich persönlich spannender war.

Zwei Beiträge haben mich dieses Jahr sehr beeindruckt und empfehle ich als Video zu schauen.

Einerseits Aubrey de Grey der über die Abschaffung des Alterns spricht.
SIF 2017 – Aubrey de Grey – Wake up Call

Sehr kontrovers und auch etwas freaky. Aber wurde nicht viele bahnbrechenden Innovatoren anfangs mit grosses Skepsis betrachtet?
Ganz ohne Grundlage erscheinen mir die Gedanken von de Grey aber nicht.

Fast noch mehr beeindruckt war ich von der Präsentation von Hugh Herr – Head of Biomechatronics Group am MIT Media Lab.
SIF 2017 – Hugh Herr – Dream as a Human Power

Hugh Herr musste nach einem Unfall beide Beine amputieren, hat danach aber eine eindrückliche Karriere in der Forschung und Entwicklung von Prothesen und Exoskeletons hingelegt. Es ist sehr interessant wie weit die Forschung in diesem Bereich bereits ist. Die Lösungen helfen nicht nur Leute mit Handicap, sondern dürfte auch bei vielen Menschen ohne Behinderung in den nächsten Jahren einen Einfluss haben.

Fortschritte in der Robotik

Die Robotik entwickelt sich momentan sehr schnell weiter. Gepaart mit den neuen Forschungsergebnissen der künstlichen Intelligenz werden aus meiner Sicht hier in naher Zukunft völlig neue Anwendungsszenarien möglich und in Gebieten welche zuvor nicht vorstellbar waren.

Beeindruckend ist das neuste Video der Firma Boston Dynamics (ehemals eine Google Tochter).

Aus meiner Sicht braucht es nicht viele Worte….Auf mich wirkt es fast schon beängstigend. Unbedingt anschauen.

Quelle: Don’t flip out, but even the robots are more athletic than you — watch the latest from Boston Dynamics – GeekWire

Gartner Top 10 Strategic Technology Trends for 2018

Die grossen Marktforschungsinstitute publizieren regelmässig ihre Vorhersagen bezüglich Technologien & Trends für die nächsten Jahre.

Langsam geht es los mit den Prophezeiungen fürs 2018. So hat Gartner vor kurzem ihre “Top 10 Technology Trends for 2018” publiziert.

Ich finde die Auswahl gelungen. Insbesondere die Aufnahme der Themen der “Digital Twins” (Was ist das?) und “Conversational Platforms” (Chatbots & Co. über Facebook/Wechat & Co.) finde ich sehr sinnvoll und wird aus meiner Perspektive einen Impact im 2018 haben.

Quelle: Explore the Gartner Top 10 Strategic Technology Trends for 2018

Was sind eigentlich Smart Contracts? 

geralt / Pixabay

Aber in meinem täglichen Doing erlebe ich immer wieder, dass nur die wenigsten effektiv verstehen was dahinter steht. Aus meiner Sicht ist es aber unerlässlich, dass man zumindest in den Grundzügen (ohne gleich eine Mathematik/Informatik-Ausbildung zu machen) versteht wie die Blockchain Technologie funktioniert. Zeit dies zu ändern :-).

Ein erste Begrifflichkeit welche man im Zusammenhang mit Blockchain immer wieder antrifft, sind die sogenannten Smart Contracts.

In meinem Webinar habe ich dieses Thema nur kurz angeschnitten. Smart Contracts haben aber mittelfristig viel das grössere Potential als die Blockchain Technologie nur für Kryptowährungen zu nutzen.

Das österreichische Zukunftsportal “futurezone.at” hat vor kurzem einen sehr guten Einführungsartikel zum Thema veröffentlicht.

Blockchain – Was sind eigentlich Smart Contracts?

https://futurezone.at/digital-life/blockchain-was-sind-eigentlich-smart-contracts/293.031.908

In diesem Artikel ist auch ein sehr informatives und gut erklärendes Video enthalten welches ich unbedingt empfehle.

Geografische Verteilung der Messenger-Plattformen

Die Messenger-Plattformen wurden in den letzten Jahren zu den dominanten Kommunikationsplattformen. Mittlerweile geht man davon aus, dass Email mengenmässig als zentrale digitale Kommunikationskanal durch Messenger abgelöst wurde.

In unseren Breitengraden ist hierbei vor allem Whatsapp die Nummer eins. Weltweit sieht das jedoch anders aus wie folgende Grafik zeigt.

So ist der Facebook Messenger v.a. in Nordamerika die dominante Plattform. Wenn wir den asiatischen Raum betrachten ist es die hierzulande kaum bekannte Plattform Wechat. Insbesondere Wechat hat mittlerweile ein umfangreiches Ökosystem in seine Plattform integriert (siehe dazu auch diesen Blogeintrag) und zeigt gut auf, wohin die Reise mit den Messenger-Plattformen gehen wird.

Ich bin überzeugt, dass mittelfristig viele alltägliche Dinge (Geld überweisen, einfache Dienstleistungen bestellen etc.) über Whatsapp & Co. gemacht werden. So hat Whatsapp (respektive Facebook) bereits angekündigt, dass es in Kürze für Unternehmen möglich sein wird, auf ihrer Plattform als Unternehmen erreichbar zu sein.

Quelle: Who is Winning the Global Instant Messaging Battle? – comScore, Inc

PSD2 und die Schweiz

Bei PSD2 handelt es sich um eine neue Richtlinie im EU-Raum welche die Banken zwingt ihre Kontodaten zu öffnen und Dritten zur Verfügung zu stellen. Ich habe in diesem Blog schon mehrfach darüber geschrieben (siehe z.B. hier: EU öffnet Bankkonti mit der Brechstange). Aktuell gibt es noch keine öffentlich Aussage von Finma & Co. ob diese Richtlinie in dieser oder ähnlicher Art auch in die Schweiz kommen soll.

Die Schweizerische Bankiervereinigung hat sich nun aber in einem Positionspapier schon mal vorsorglich gemeldet und ihre Überlegungen dargelegt. Kurz zusammengefasst lehnt die Bankiervereinigung eine Öffnung im Stile der PSD2 Regulierung ab. Ihre Argumente sind, dass es solche Schnittstellen schon heute gibt (“wenn dies in im beidseitigen Interesse von Bank und Kunde ist”) und weil in der Schweiz “der Wettbewerb funktioniert und Banken schon heute (unabhängig von PSD2) zahlreiche innovative Lösungen anbieten”. Ebenso werden die Sicherheit der Kundendaten sowie die zusätzlichen Aufwände und Kosten thematisiert. Das Positionspapier kann man hier einsehen: http://www.swissbanking.org/de/themen/aktuell/20170707-5000-all-positionspapier-psd2.pdf.

In der Schweiz gibt es einzelne Institute welche einer Öffnung aber positiv gesinnt sind und auch schon erste Initiativen ergriffen haben (z.B. Postfinance & Hypi Lenzburg). Finews.ch hat dem Thema einen ausführlichen Bericht gewidmet.

Persönlich sehe ich die Argumente der Bankiervereinigung etwas kritisch. Die Schweizer Finanzindustrie im digitalen Kontext als innovativ anzuschauen finde ich doch eher spannend (es werden exemplarisch E-Banking und E-Rechnungen als Beispiele genannt….). Und ja, es gibt heute schon solche Schnittstellen, aber als Drittanbieter wie auch Kunde ist man immer auf das Wohlwollen der Bank angewiesen. Als Privatkunde hat man da kein Mitspracherecht – und genau das machen solche offenen Schnittstellen aber spannend. Ich halte es für gefährlich sich dem Fortschritt (und ja, Open API Schnittstellen sind in anderen Branchen schon lange gang und gäbe…) zu verweigern. Am Schluss des Tages könnte es auch kontraproduktiv sein, wenn dann nämlich die Politik eine “jetzt-erst-recht” Meinung fasst wenn sie merkt, dass es rein um Machterhaltung geht.

Disclaimer: Diese – wie auch die restlichen – Sichtweisen auf diesem Blog – sind persönlicher Natur und müssen nicht notwendigerweise die Sicht der VZ Gruppe und deren Entscheidungsträger repräsentieren.

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