Monatsbericht VZ Innovation Lab – April 2018

Lieber als PDF lesen? Monatsbericht 2018-04

Nennenswerte Marktentwicklungen

BLKB, Basler Versicherungen und Anivo kooperieren für Versicherungslösungen bei Hypothekarkunden

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB), die Basler Versicherungen und der Versicherungsbroker Anivo bieten zusammen zwei neue Versicherungsprodukte für Hypothekarkunden an. Einerseits handelt sich dabei um einen sogenannten Familienschutz bei welchem sich „Kunden gegen die finanziellen Auswirkungen bei Tod, Arbeitslosigkeit und Trennung versichern“ können sowie dem Gebäudeschutz für „umfassenden Schutz, der die kantonalen Gebäudeversicherungen optimal ergänzt.“. Interessant ist, dass die Produkte monatlich kündbar sind. Gemäss Medienmitteilung der BKLB sind weitere Versicherungsprodukte geplant.

Die Versicherungsprodukte werden digital vertrieben – aber in dem Sinne, dass die BLKB Berater Versicherungsexperten per Videochat in das Gespräch hinzunehmen können. Der Versicherungsvertrag kann danach papierlos abgeschlossen werden. Die operative Abwicklung übernimmt dabei eine neu gegründete Unternehmung namens Servicehub AG welche eine Tochtergesellschaft der BLKB ist.

https://www.blkb.ch/die-blkb/medien/medienmitteilungen/2018/blkb-basler-versicherungen-und-anivo-erarbeiten-versicherungslosungen-fur-hypothekarkunden

https://blog.hslu.ch/retailbanking/2018/03/20/warum-die-zusammenarbeit-zwischen-versicherungen-und-banken-funktionieren-koennte-das-beispiel-der-blkb

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/neue-allfinanz-losung-aus-dem-baselbiet

Generali, Allianz, Swiss Re und Zürich Versicherungen gründen Blockchain-Startup

Ein internationales Konsortium namens „Blockchain Insurance Industry Initiative“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Anwendung der Blockchain Technologie im Versicherungsbereich voranzutreiben. Aus diesem Grund wurde in Zürich ein Start-Up namens „B3i Services“ gegründet. Neben den obgenannten Versicherungen gehören noch andere namhafte Versicherungen zum Konsortium dazu (Achmea, Aegon, Ageas, Allianz, Hannover Re, Liberty Mutual, Munich Re, Scor,  Tokio Marine, XL Catlin).

Das Ziel des Startups ist der Bau einer Handelsplattform über die gesamte Wertschöpfungskette auf Basis der Blockchain. Die Initiative und das Startup wird von der Standortförderung des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich eng begleitet. So wird vom Kanton Zürich auch ein Blockchain-Zentrum mit rund 200 Arbeitsplätze namens „Trust Square“ gegründet wo neben Schweizer Hochschulen und Unternehmen/Startups teilnehmen können. Standort des Trust Square wird an der Bahnhofstrasse sein, direkt gegenüber der Schweizer Nationalbank. Mittelfristig soll jedoch in den neuen Innovationspark in Dübendorf gezügelt werden.

http://www.netzwoche.ch/news/2018-03-27/versicherungen-gruenden-blockchain-start-up-in-zuerich

https://www.zh.ch/internet/de/aktuell/news/medienmitteilungen/2018/blockchain-forschungskooperation-der–versicherungsbranche-kommt.html

https://www.finews.ch/news/banken/31122-bahnhofstrasse-blockchain-trust-square-daniel-gasteiger-lykke-thomas-puschann-innovationspark-vp-bank

Creditgate lanciert Konsumkredite mit Minuszinsen

Die Zürcher Fintech Kredit-Plattform Creditgate24 hat einen Konsumkredit mit Minuszinsen lanciert. So erhält ein Kreditnehmer rund 0.75 Prozent Zins. Dabei dürfte es sich jedoch mehr um einen Marketingcoup handeln, als um ein langfristiges Produkt. So werden einerseits nur Schuldner mit hoher Bonität bedient, anderseits war das Angebot nur bis Ende März gültig.

https://www.finews.ch/news/banken/31061-fintech-creditgate-negativzinsen-smava

Migros integriert Twint

Der Bezahldienst Twint welcher aus der Fusion der damaligen Bankenlösung (Paymit) und der Postfinancelösung (Twint) herausgegangen ist, entwickelt sich stetig weiter und gewinnt immer mehr Partner. Neu ist es auch möglich mittels Twint in der Migros zu bezahlen. Bis anhin konnte man bei den grossen Lebensmittel-Läden nur bei Coop mit Twint bezahlen.

Jedoch ist es nicht möglich, dass man an den Kassenterminals direkt mit Twint bezahlt, sondern man muss zuerst Twint in der Migros App einrichten, danach kann man dann mit der Migros App an den Migros Kassen bezahlen.

Aus Benutzersicht sehr unglücklich gelöst, sieht es doch nach einem strategischen Entscheid der Migros aus.

http://www.netzwoche.ch/news/2018-03-13/migros-integriert-twint

Microsoft bringt die Cloud in die Schweiz

Microsoft gehört weltweit mit ihrem Cloudangebot namens „Azure“ zu den grössten Anbietern. Neben Microsoft gehören Amazon und Google weltweit zu den mit Abstand führenden Anbietern. Cloudlösungen im Ausland sind aber – zumindest in der Schweiz –für viele Unternehmen aus Datenschutz-Perspektive sehr schwierig, oder teilweise sogar fast unmöglich zu nutzen. So wäre es aus Finma-Regulatorischer Betrachtung zwar möglich, die Daten zum Beispiel in der Microsoft Cloud in Holland/Irland zu hosten. Man  müsste jedoch das Einverständnis des Kunden schriftlich dafür einholen. Die grossen Cloudanbieter sind aber laufend dran ihre Angebote auszubauen – dies nicht nur funktionell sondern auch bezüglich Standorte.

Microsoft hat nun einen Bericht der Handelszeitung bestätigt, dass geplant ist im 2019 mehrere Datacenter in der Schweiz in Betrieb zu nehmen. Diese sollen in Zürich und Genf entstehen. Microsoft wäre der erste der globalen Anbieter welche Datenzentren in der Schweiz aufbauen würde.

Für Schweizer Unternehmen dürften dadurch Cloudlösungen auf einen Schlag sehr viel interessanter werden. Fraglich zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch wie die Datenzentren betrieben werden. Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Cloudanbieter US-Anbieter sind und so teilweise US-Recht unterstehen. Für ein Finanzinstitut wäre das noch immer ein No-Go. Hingegen könnte die Möglichkeit bestehen, dass die Datenzentren ähnlich wie in Deutschland einem Treuhänder-Modell unterstehen. Dort wird die Cloudlösung von der T-Systems (einer Tochtergesellschaft der deutschen Telekom) überwacht und kontrolliert. Damit würden die Vorbehalte bezüglich „Herausgabeverlangen ausländischer Behörden“ unterbunden.

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/microsoft-expandiert-der-schweiz

N26 erhält gewaltige Finanzspritze

Das deutsche Fintech N26 erhält ein namhaftes Investment von rund 160 Mio $ von Tencent und Allianz. Tencent ist seines Zeichen eine der ganz grossen Investment-Gesellschaften. Tencent ist unter anderem beteiligt an UBER, Tesla und verschiedene Spieleproduzenten (Ubisoft, Supercell). Zudem gehört Tencent die Messengerplattform WeChat welche im asiatischen Markt schon fast ein Monopol besitzt und dies mit über 1 Mrd. aktiven Benutzern.

N26 plant im 2018 den Eintritt in UK und den USA.

https://techcrunch.com/2018/03/20/n26-raises-160-million-from-tencent-and-allianz/

https://next.n26.com/en-eu/

https://n26.com/n26-us-launch-2018/

Finnova & GLKB entwickeln Kreditberatungslösung

Der Core-Banking Softwareanbieter Finnova sowie die Glarner Kantonalbank entwickeln eine neue Kreditberater-Lösung für Banken unter dem Namen „Finnova Loan Advisory“. Die Lösung soll den gesamten Kreditprozess, von der Beratung über Bewilligung bis zur Verarbeitung beinhalten.

http://www.netzwoche.ch/news/2018-03-16/finnova-und-die-glkb-entwickeln-kreditberatungsloesung

https://www.finews.ch/news/banken/31066-glarner-kantonalbank-finnova-kreditberatung-hypotheken

Spannende Lösungen

Swiss Crypto Franc

Kryptowährungen gibt es mittlerweile fast mehr als Sand am Meer. Wir befinden uns hier in einer Sturm und Drang Phase, respektive die heutige Situation ähnelt auch etwas dem Wilden Westen zu Zeiten der Goldgräber. Nicht alles was glänzt ist auch Gold und so handelt es sich oft auch um leeres Geschwafel respektive sogar teilweise um Betrug.

Man darf sich jedoch nicht vom Drumherum blenden lassen. Die Technologie(n) hinter den Kryptowährungen sind klar fundiert und sind schon jahrelang erprobt. Es ist noch von keiner Kryptowährung bekannt, welche erfolgreich attackiert werden konnte. Was man in den Medien hört von angeblichen Hacks, betrifft nicht die Kryptowährungen selber, sondern Markteilnehmer welche ihre Systeme nicht im Griff hatten. Vergleichen kann man dies, wie wenn eine Bank ihre Türe offen lässt, so bedeutet das nicht dass die Banknoten selber unsicher sind und gefälscht werden können.

Daher ist es naheliegend, dass es auch Gedanken gibt Kryptowährungen auf eine ganz andere Stufe bezüglich Vertrauen und Akzeptanz zu hieven. Eine Zusammenschluss von Fintech Unternehmern („Fintech Rockers“) hat sich dazu Gedanken gemacht und die Überlegung eines Schweizer Krypto-Franken skizziert.

Der Krypto-Franken würde durch die SNB herausgegeben sowie garantiert und wäre an den normalen Schweizer Franken gebunden. Die notwendige Blockchain Infrastruktur wäre dabei öffentlich und kann von jedermann genutzt werden, die kritische Grösse an Computerinfrastruktur welche ein Blockchain für eine Kryptowährung jedoch braucht, würde von den Kantonen zur Verfügung gestellt. Eine nationale Taskforce mit Vertretern von verschiedenen Interessensvertretern (Bund, Industrie, Wissenschaft) wäre für die Weiterentwicklung verantwortlich.

Was auf den ersten Blick wie eine Spielerei aussieht, ist in anderen Ländern konkrete Absicht. So hat Venezuela die Kryptowährung „petro“ bereits herausgegeben. In Estland sowie Schweden sind konkrete Absichten bekannt.

Die SNB hat sich bereits an einem offiziellen Anlass dazu geäussert und der Idee eine deutliche Abfuhr erteilt. So hat gemäss Finews Andrea Mächler (Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums) an einer Veranstaltung in Zürich gesagt, dass Digitales Zentralbankgeld für die breite Bevölkerung nicht nötig sei, um einen effizienten bargeldlosen Retailzahlungsverkehr zu gewährleisten. Persönlich bin ich mir hier nicht sicher ob man dies ausschliesslich so betrachtet soll. So stimmt die Aussage sicherlich, man müsste aber auch die Chancen betrachten welche sich durch eine solche Kryptowährung ergeben könnten (viel einfacherer Zahlungsverkehr, Anbindung an Smart Contracts etc.).

http://fintechnews.ch/blockchain_bitcoin/swiss-crypto-franc-paper/16604/

http://fintechrockers.com/wp-content/uploads/2018/01/180131-Fintechrockers_Swiss-National-Blockchain-and-Cryptocurrency_Expose%CC%81_EN_V3.2.pdf

https://medium.com/e-residency-blog/were-planning-to-launch-estcoin-and-that-s-only-the-start-310aba7f3790

https://www.thelocal.se/20180115/sweden-predicted-to-become-first-country-with-own-cryptocurrency

https://www.finews.ch/news/banken/31310-schweizerische-nationalbank-e-franken-digitale-waehrung-fintech

Interaktive Chats bei Schadenmeldung bei Baloise

Die Baloise Versicherung beschreitet neue Wege beim Schadenhandling. Neu kann der Schaden mittels eines interaktiven Chatbots gemeldet und beschrieben werden. Der Kunde wird dabei interaktiv durch den Vorgang geführt und kann die Antworten selber schreiben oder per Diktierfunktion aufnehmen lassen. Zudem werden die jeweiligen Möglichkeiten des Gerätes genutzt. So können Fotos direkt ab Smartphone raufgeladen und die GPS Koordinaten übermitteln werden. Ergänzende Angaben wie Policen-Nummer & Co. werden automatisch durch das System nachgeschlagen.

    

http://www.itmagazine.ch/Artikel/66826/Baloise_setzt_interaktive_Chats_bei_Schadensmeldungen_ein.html

https://www.youtube.com/watch?v=pk_G-etAQRI

Ausbildungsthema des Monats – Serverless Computing

Dieses monatliche Thema hat einen etwas technischen Fokus. Aber hat aus meiner Sicht eine grosse Relevanz wenn es um die Themen Time-to-Market und nachhaltige Software-Entwicklung geht.

Wenn man an die Digitalisierung denkt, so kommen sehr schnell auch gewaltige Infrastrukturen in den Sinn mit Servern, Datenzentren & Co. Noch bis vor wenigen Jahren war es üblich, dass eine Unternehmung selber die komplette Infrastruktur betrieben hat, respektive diese an einen Partner ausgelagert hat.

Wer selber mit den Themen mal zu tun hatte, kann ein paar Lieder davon singen, was es bedeutet die Infrastruktur zu betreiben und laufend à jour zu halten (Updates, Patches, Erneuerungen und und). Auch als Software-Entwickler ist man dabei auf Infrastruktur angewiesen. Dabei besteht oft eine Hassliebe zwischen Entwicklern und Infrastruktur-Verantwortlichen. Vielfach bilden dabei auch Prozesse und nachhaltige Aufbauten einen Zielkonflikt zur gewünschten Flexibilität und Agilität welche Unternehmen heute benötigen um möglichst schnell mit (digitalen) Lösungen am Markt sein zu können.

Seit ein paar Jahren zeichnet sich hier aber in gewissen Bereichen ein Paradigma Wechsel ab. So hat durch das Aufkommen der Cloud-Technologien sich die Ausgangslage für Software-Entwickler und Startups stark verändert. Musste ich früher wie oben beschrieben selber die komplette Infrastruktur besorgen, so kann ich heute auf Knopfdruck (ja, Knopfdruck!) mir eine gesamte Infrastruktur in der Cloud erstellen lassen und diese Nutzen. Auch als Software-Entwickler brauche ich mir um Infrastruktur keine grossen Gedanken zu machen. Ebenfalls ein grosser Vorteil der Cloud-Modelle ist, dass diese nach Nutzung bezahlt werden und nicht durch Fixkosten welche durch den Erwerb von traditionellen Servern gebunden wurde.

Dieses neue Paradigma ist bekannt unter dem Slogan „Serverless Computing“. Die Bezeichnung selber ist eigentlich totaler mumpitz, so werden Server genau gleich benötigt, jedoch muss ich mich als Entwickler respektive Endnutzer nicht mehr darum kümmern. Dies übernimmt der Cloudanbieter für mich. Heute gibt es ein vielfältiges Spektrum an Diensten welche ich im Rahmen des „Serverless Computing“ beziehen kann. So ist es möglich Datenbanken, Speicherplatz auch Rechenpower als Service zu beziehen und sehr einfach im Sinne eines Lego-Bauens für meine Anwendungen zu integrieren. Mittlerweile ist es auch möglich Anwendungen aus dem Bereich der maschinellen Intelligenz (Bildererkennung, Texterkennung, etc.) so zu beziehen.

Ein gutes Erklär-Video bietet Amazon zu ihrer Lösung „AWS Lambda“.

Ebenso interessant ist ein Artikel der Website „Algorithmia“.

https://blog.algorithmia.com/serverless-computing/

Gadgets des Monats – E-Sport

Dieses Mal geht es nicht um ein konkretes Produkt, sondern einen Event.

E-Sport erlebt in den letzten Jahren einen riesigen Boom. Bei E-Sport handelt es sich um Wettkämpfe welche über Computerspiele ausgetragen werden (hier findet man einen „Beginners Guide“ J). Mittlerweile gibt es Weltmeisterschaften und die besten E-Sportler verdienen mehr als mancher, bekannte reale Sportler. Auch übertragen erste Fernsehsender Turniere live und Sportvereine aus dem „Offline“-Bereiche nehmen E-Sportler unter Vertrag. So hat der FC Basel und FC St. Gallen beispielsweise die besten Schweizer EA Sports FIFA Spieler (Fussball Simulation) unter Vertrag genommen. Auch in anderen Ländern (England, Deutschland) haben die meisten Klubs damit begonnen. Diese E-Sportler spielen dabei unter dem jeweiligen Klub auch in den Computerspielen.

Experten gehen davon aus, dass der E-Sport Markt in den nächsten Jahren regelrecht explodieren wird. Wer sich selber mal ein Bild davon machen will, kann dies Mitte April im Einkaufszentrum Sihlcity in Zürich tun. Dort werden verschiedene Turniere in den beliebtesten Computerspielen ausgetragen.

Mehr Infos findet man hier: https://www.esports.ch/gamecity/

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