Monatsbericht VZ Innovation Lab – Juli 2017

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Open Banking – der neue Standard?

Im EU-Raum wird ab Januar 2018 die sogenannte PSD2 Richtlinie für Finanzinstitute verbindlich eingeführt. PSD2 steht für Payment Services Directive 2 und schafft im Zahlungsverkehrsbereich diverse neue Spielregeln [1]. Eine der wichtigsten Regeln besteht darin, dass Drittparteien der Zugriff auf Konteninformationen und Transaktionen erhalten und die Initiierung von Zahlungen ermöglicht wird. Natürlich bedarf es dafür der vorgängigen Zustimmung des Kunden.

Über die Auswirkungen von PSD2 gehen die Meinungen auseinander. Einige beschwören das Ende des heutigen Bankenökosystem, Andere sehen eine grosse Chance für Banken neue Kunden zu gewinnen und die Wertschöpfungsketten von anderen Branchen anzugreifen [2].

Ein wesentlicher Punkt welcher in der Diskussion untergeht, ist dass durch die PSD2 Richtlinien Banken gezwungen werden Schnittstellen für Dritte zu entwickeln und anzubieten. Sogenannte API (Application Programming Interfaces) sind in anderen Branchen seit Jahren Usus und haben dafür gesorgt, dass die Branchen als solches stark wachsen konnten. Im digitalen Sektor (Google, Amazon, Facebook etc.) ist man ohne öffentliches API in der Regel nicht konkurrenzfähig. Durch APIs können Drittparteien umfangreiche Applikationen und Services anbieten welche auf der Basisdienstleistung aufsetzen. Diese Zusatzservices bringen dem Kunden einen direkten Mehrwert und machen dadurch das gesamte Ökosystem für alle Teilnehmer (Basisanbieter, Zusatzanbieter, Nutzer) lukrativer. [3]

Erste Banken versuchen hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen und bieten bereits APIs an. So zum Beispiel die spanische BBVA [4]. In der Schweiz hat nun ebenfalls mit der Hypothekarbank Lenzburg die erste Bank einen ersten Vorstoss in dieser Hinsicht gewagt. Einerseits wird versucht einen Standard zu etablieren (Swiss Open Finance API), anderseits öffnet die Hypi Lenzburg ihr eigenentwickeltes Kernbankensystem für Dritte durch APIs [5].

Im europäischen Raum bin ich überzeugt werden Banking APIs mittelfristig ein Standard werden und dies über den regulatorischen Zwang hinaus. Inwiefern die Schweiz hier betroffen sein wird und ob auch andere Institute auf Banking APIs aufspringen werden, ist aktuell schwierig einzustufen. Vieles hängt davon ab ob es in der Schweiz irgendwann auch Pflicht wird sein Schnittstellen im PSD2-Format anzubieten. Klare Aussagen vom Bund oder FINMA fehlen hier noch. Unter den Finanzinstituten bestehen auch gegenteilige Meinungen. So geht die Postfinance mittelfristig von einer Öffnung aus [6].

[4] Übersicht der angebotenen Schnittstellen der BBVAA
https://www.bbvaapimarket.com/products
[5] Medienmitteilung der Hypi Lenzburg zur Öffnung der Systeme
https://www.hbl.ch/info/hbl/Medienmitteilung+04.05.2017.nrt
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Ökosysteme als Vorstufe zur Plattform-Strategie

Bonuspunkteprogramme und Ähnliches gibt es in der Finanzbranche schon seit Jahren. Primäres Ziel dieser Programme ist es natürlich die Kundenbindung zu erhöhen.

In letzter Zeit ist zu beobachten dass die Ökosysteme jedoch vergrössert werden und dem Kunden nicht nur ein einfaches Punkteprogramm angeboten wird, sondern vielfältige Dienstleistungen oft im digitalen Kontext. Beispiele:

Postfinance Benefits
„Viel besser als Treuepunkte. Mit PostFinance Benefit sparen Sie beim Einkaufen im Geschäft oder im Onlineshop. Einfach und bequem reservieren Sie das Angebot mit einem Klick und bezahlen anschliessend im Geschäft oder im Onlineshop mit Ihrer PostFinance Card.“ [1]

Sanitas Active App
Mit der Sanitas Active App stellen wir Ihnen einen digitalen Service zur Verfügung, der dank einfachem Zugang und leichter Handhabung zur Verbesserung Ihrer Gesundheit beiträgt. Die App animiert Sie dazu, sich auf spielerische Weise gute Gewohnheiten zuzulegen: indem Sie sich täglich mehr und ganz bewusst bewegen – und davon profitieren!
Pro erreichtem Tagesziel rollt eine virtuelle Münze auf Ihr persönliches Active App Konto. Die Münzen berechtigen Sie zum Bezug von Gutscheinen bei ausgewählten Sanitas Partnern.
[2]

Wesentlicher Unterschied zu den Bonuspunktenprogrammen ist die Personalisierung. Aufgrund der Daten eines Kunden (Transaktionen, Gesundheitsdaten, etc.) werden individuelle Angebote geschnürt. Langfristig bin ich überzeugt werden wir uns auch in der Finanzindustrie in Richtung von Plattformstrategien und virtuellen Marktplätzen bewegen.

Dies bedeutet, dass Banken und Versicherungen ihre Kunden über ihre digitalen Touchpoints auch Angebote und Produkte von Dritten zugänglich machen werden. Die deutsche Bank ermöglicht ihren Kunden über ihre digitalen Touchpoints bereits Dienstleistungen und Produkte von anderen Instituten und Unternehmen abzuschliessen. Bei Abschluss erhält sie dafür ein Entgelt. Ende Juni fällt der Startschuss für ein Pilotprojekt, das die Deutsche Bank als „kuratierten Einlagenmarktplatz“ und „Multi-Bank-Aggregation“ bezeichnet: Hier soll künftig Festgeld auch ausländischer Institute angeboten werden, bis Ende des Jahres von drei ausgewählten Auslandsbanken.[3]

Ausführlicher Artikel der Plattform-Strategie (englisch)
https://hbr.org/2016/04/pipelines-platforms-and-the-new-rules-of-strategy

Nennenswerte Marktentwicklungen

Entwicklungen beim Online Boarding

Seit Mitte Juni bietet die UBS in ihrem Online Boarding an, dass Verträge welche die qualifizierte Schriftlichkeit verlangen nun ebenfalls online unterschrieben werden können. Meines Wissens ist die UBS das erste Finanzinstitut in der Schweiz welches dies so ermöglicht [1].

In Deutschland herrschte seit letztem Sommer eine unklare Rechtslage bezüglich der Online-Identifizierung. Die BaFin hatte dabei ein Rundschreiben veröffentlicht mit Forderungen an die Identifizierungen welche schlichtweg nicht erfüllbar waren. Rund einen Monat später wurde das Rundschreiben aufgrund des massiven Protests der Branche zurückgezogen. Per 15. Juni tritt nun ein neues Rundschreiben in Kraft welches die Online-Identifikation besser und praktischer regelt und von allen Stakeholdern akzeptiert wird. Wichtigste Anforderungen sind dabei eine lückenlose Videoaufzeichnung des Identifizierungsvorganges, eine end-to-end Verschlüsselung sowie Sichtprüfung von mindestens 3 Sicherheitsmerkmale [2].

[2] Übersicht der Neuerungen des BaFin Rundschreibens zur Videoidentifikation
https://www.it-finanzmagazin.de/neue-richtlinien-zur-video-identifikation-der-banken-51456/

Knip schliesst sich mit niederländischem Unternehmen Komparu zusammen

Der Versicherungsbroker Kip fusioniert mit der Technologiefirma Komparu und tritt neu unter dem Namen „Digital Insurance Grup (DIG)“ auf. Zwischen den beiden Unternehmen bestand bereits in den letzten Monaten eine Zusammenarbeit. Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine Übernahme handelt. Der aktuelle CEO von Knip wird das Unternehmen verlassen – damit ist das gesamte Gründerteam von Knip nicht mehr vorhanden.

N26 bietet Versicherungsverwaltung in Kooperation mit Clark an

Das deutsche Fintech N26 bietet per Ende Juli seinen Kunden eine Versicherungsverwaltung im Stil von Knip an. Das Unternehmen kooperiert dabei mit dem Insurtech Clark. Clark hat heute eine Robo-Advisor Lösung am Start welche die bestehenden Versicherungsverträge von Kunden analysiert und Optimierungen vorschlägt. Wie bei Knip wird bei der Versicherungsverwaltung von N26/Clark ein Brokermandat unterzeichnet.

Klarna erhält Bankzulassung

Das schwedische Fintech Klarna hat eine Banklizenz von der schwedischen Finanzaufsicht erhalten. Klarna hat sich bis jetzt auf Dienstleistungen im Online-Einkaufsbereich fokussiert (Kauf, Lastschrift, Ratenkauf etc.). Das Unternehmen hat angekündigt ihr Dienstleistungsangebot durch den Erhalt der Banklizenz massiv auszubauen. Mit 60 Millionen bestehenden Nutzer (rund ein Drittel aus Deutschland) hat Klarna diesbezüglich Potential.

Start von Robo-Advisor Werthstein

Das Zürcher Investment-Startup Werthstein steht in Deutschland kurz vor dem Marktstart mit ihrer Robo-Advisor Lösung. Ein wesentliches Differenzierungsmerkmal von Werthstein ist die Fokussierung auf Anlagetrends (nicht im charttechnischen Sinne) – sogenannte Zeitgeists. So besteht die Möglichkeit, in solche Zeitgeists zu investieren welche danach automatisiert verwaltet werden (z.B. Robotics, E-Health, Biotechnologie). Ein grosser Wert bei diesen Zeitgeists wird in redaktionellen Content gelegt (Videos, Kommentare). Ein Schweizer Marktstart sei ebenfalls in Vorbereitung.

Übersicht der Werthstein Zeitgeists
https://www.werthstein.com/zeitgeists/

Spannende Lösungen

InsureX – die erste Blockchain basierte Versicherungsplattform

InsureX ist die – laut Eigenaussage – erste Versicherungsplattform welche auf der Blockchain Technologie basiert. Es handelt sich dabei um eine B2B Lösung welche Versicherer, Rückversicherer und Brokers auf einer sicheren, effizienten und nachvollziehbaren Plattform das handeln von Versicherungslösungen ermöglicht. Technisch basiert die Plattform auf Ethereum.

Beim Traditionellen Versicherungsgeschäft sind oftmals mehrere Vermittler involviert und es findet ein manueller Austausch von vielen Dokumenten und Daten statt, was zu Kosten, Verzögerungen und Fehlern führt. An diesen Punkten will InsureX einsetzen und durch seine neue Plattform einen komplett elektronischen Austausch von Dokumenten, medizinischen Aufzeichnungen und auch Finanzdaten ermöglichen. Natürlich alles sicher über die Blockchain.

Ein Video dazu erklärt die Idee kurz.

Fuze Card – das ganze Portemonnaie in einer Karte vereint

Auf der Crowdsourcing Plattform Indiegogo wird aktuell ein ganz spezielles Gerät finanziert. Die Fuze Card bietet die Möglichkeit bis zu 30 Karten auf eine Fuze Card zu laden. Hierbei werden alle möglichen Arten von Karten unterstützt (Kreditkarten, Debitkarten, Loyalitätsprogramme wie Cumulus etc.). Die Karte hat ein integriertes Display mit welchem die aktuell zu nutzende Karte ausgewählt werden kann.

Die Karte ist zudem über eine App mit dem Smartphone verbunden. In dieser App können einerseits die hinterlegten Karten verwaltet werden. Anderseits ist ein Mechanismus hinterlegt mit welchem die Karte bei Verbindungsabbruch sich automatisch sperrt.

Kampagnenseite:

Weiterbildungsvideo des Monats

In der Wirtschaftsgeschichte galt die Regel, dass technologischer Wandel den generellen Wohlstand steigern wird. Durch den Wandel werden bestehende Jobs ersetzt, es entstehen im Gegenzug jedoch Neue. Temporär führt dies zu einer grösseren Arbeitslosigkeit bis sich der Arbeitsmarkt entsprechend angepasst hat. So war es bei der Erfindung der Dampfmaschine, Elektrizität und der Fabrikautomatisierung.

Mit der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz gibt es nun aber prominente Stimmen welche den Bruch dieses Paradigma erwarten. Diverse Studien, Analysen und Bücher zeigen Indizien in dieser Hinsicht bereits auf. Das Video „Rise of the Machines“ erklärt die Hintergründe und zeigt auf warum der jetzige Wandel anders sein könnte.

The Rise of the Machines – Why Automation is Different this Time

Direkter Link zum Video (11:40 min)

NZZ Artikel zum Thema: Massenarbeitslosigkeit oder viele neue Jobs
https://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/massenarbeitslosigkeit-oder-viele-neue-jobs-1.18659857

Buchempfehlung zum Thema:

Gadget des Monats

Retro ist In! Nintendo wird Ende September eine neue Edition des Super Nintendo auf den Markt bringen. Die Konsole kann normal an den Fernseher angeschlossen werden und unterstützt auch die gleichen Controller wie anno dazumal.

Das Gerät wird 21 Spiele vorinstalliert haben. Dazu gehören altbekannte wie Donkey Kong Country, Super Mario World, Zelda oder Starfox.

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