Monatsbericht VZ Innovation Lab – Juli 2018

Lieber als PDF lesen? https://vzilab.ch/wp-content/uploads/2018/07/Monatsbericht-2018-07.pdf

Ein paar Worte voraus

Dies ist der letzte Monatsbericht von mir – Michael Maurer. Ich hoffe, ich konnte dir in den letzten Monaten einen guten Überblick und interessante Einsichten bringen.

Meine Überzeugung ist immer noch, dass sich die Finanzindustrie in den nächsten Jahren massiv wandeln wird. Ich denke persönlich nicht, dass sich Fintechs in der Breite durchsetzen werden, sondern gehe davon aus, dass sich irgendwann einer oder mehrere der grossen Tech-Player (AGFA – Apple, Google, Facebook, Amazon) dem Thema Finanzen breiter widmen wird. Mit ihrer Dynamik und Finanzkraft werden das echte Konkurrenten zu den heutigen Banken und Versicherungen. Trotzdem bin ich auch überzeugt, dass einzelne Fintechs das Potential haben etwas zu bewegen. Favorit in diesem Bereich ist für mich das UK-Fintech Revolut.

Ebenfalls bin ich überzeugt, dass die Themen maschinelle Intelligenz, Big Data und vor allem Blockchain auf leisen Sohlen bereits das Feld am Aufrollen sind. Spätestens in 5-7 Jahren wird man die Tragweite erst so richtig bemerken und einzelne Institute dürfte dann wehmütig zurückschauen und denken „ach hätten wir doch….“.

In dem Sinne alles Gute und bleibt an den Themen dran!

Nennenswerte Marktentwicklungen

Bundesrat formalisiert neue Fintech-Bewilligung

Der Bundesrat hat es bereits im Frühjahr kommuniziert, dass er die regulatorischen Vorgaben für Fintech lockern möchte und ein vereinfachtes Verfahren vorsehen will. Dieses vereinfache Verfahren ist gültig für Fintech welche ein Volumen von 100 Mio Franken nicht überschreiten. Am 21. Juni hat nun das Eidgenössische Finanzdepartment die Vernehmlassung eröffnet welche noch bis am 21. September dauert. Läuft alles plangemäss wird die Regelung am 1.1.2019 in Kraft treten.

https://www.netzwoche.ch/news/2018-06-22/bundesrat-bringt-fintech-bewilligung-auf-den-weg

Facebook baut Forschungsstandort Zürich aus

Diverse grössere Technologieunternehmen haben heute einen bedeutenden Forschungsstandort ihres Europa-Bereichs bereits in Zürich (Google, Apple, Evernote). Nun hat auch Facebook bestätigt – zwar nicht sehr öffentlich wirksam – den Zürcher Standort auszubauen. In Zürich soll vor allem im Bereich Virtual Reality geforscht und Produkte entwickelt werden.

Die Vorzüge von Zürich welche von Tech-Unternehmen oft genannt werden ist einerseits die hohe Lebensqualität, aber auch die gute Verfügbarkeit von Experten. Dies vor allem durch die Nähe zur ETH und EPFL (Lausanne).

Auch wenn das auf den ersten Blick sehr gute Nachrichten für den Standort Schweiz ist, so gibt es doch auch kritische Stimmen welche bemerken, dass es für hiesige Unternehmen dadurch auch immer schwieriger wird an Fachkräfte zu kommen.

https://www.netzwoche.ch/news/2018-07-06/facebook-baut-forschungsstandort-zuerich-aus

Mobiliar übernimmt Bexio

Die Mobiliar übernimmt das Fintech Bexio für einen nichtgenannten Kaufpreis. Bexio bietet für KMUS eine cloudbasierte Buchhaltung und hat heute schon diverse Partnerschaften mit Finanzinstituten (UBS, Valiant, Swiss Life). Im November 2017 hat sich Swiss Life an Bexio beteiligt.

Gemäss Mobiliar soll Bexio eigenständig bleiben und sich aufs eigene Wachstum konzentrieren.

https://www.finews.ch/news/versicherungen/32432-mobiliar-bexio-swiss-life-ubs-valiant

https://www.bexio.com/de-CH/

https://vzilab.ch/monatsbericht-vz-innovation-lab-november-2017/#Swiss_Life_beteiligt_sich_an_Bexio

Postfinance und Swissquote arbeiten beim Thema Roboadvise nicht mehr zusammen

Seit längerem war bekannt, dass Postfinance und Swissquote an einer gemeinsamer Robo-Advise Lösung arbeiten. Bekannt war auch, dass sich die Lösung immer wieder verspätete. Nun wurde die Zusammenarbeit beendet.

Eine neue Lösung soll jedoch gemäss Postfinance Ende 2019 an den Start gehen.

https://www.finews.ch/news/banken/32406-postfinance-swissquote-vermoegensverwaltung-strategie-sackgasse-privatisierung

Auswirkungen der neuen europäischen Datenschutz-Verordnung

Seit dem 26. Mai ist im EU-Raum die neue Datenschutz-Verordnung wirksam. Neben einer Flut von Emails wo Anbieter von digitalen Lösungen etc. um Freigabe bei den Kunden gebeten haben, um weiter Emails an sie zu senden, gab es auch sehr kuriose und unterhaltsame Situationen. So hat unter anderem eine Metzgerei in Salzburg die Datenschutz-Verordnung sehr korrekt ausgelegt.

Es gibt aber auch sehr konkrete Auswirkungen welche – zumindest ich – so nicht auf dem Radar hatte. So hat ein Kunde der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien sich auf die Datenschutzverordnung bezogen um an Kontoauszüge welche älter als 5 Jahre sind heranzukommen. Das Institut hatte auf eine Gebühr von 30 Euro bestanden, worauf sich der Kunde an die Datenschutzbehörde gewandt hat. Gemäss EU-Datenschutzverordnung müssen Unternehmen kostenlos an eine Person die gespeicherten Daten herausgeben. Die Datenschutzbehörde hat darum dem Kunden Recht gegeben und die Bank aufgefordert innerhalb von zwei Wochen die fraglichen Daten kostenlos auszuliefern.

https://futurezone.at/netzpolitik/erster-datenschutz-bescheid-gratis-zugang-zu-alten-bankdaten/400055720

BIZ-Analyse zu Bitcoin & Co.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ihren Jahresbericht veröffentlicht und dort erstmals auch dediziert zu den Kryptowährungen Stellung genommen.

Im Bericht warnt sie dezidiert vor den Kryptowährungen und befinden, dass diese als Geld nicht funktionieren können. Unter anderem beziehen sich die Analysten der BIZ auf die grossen Wertschwankungen und den immensen Energieverbrauch.

Aus meiner Sicht ist die Analyse etwas kurz gedenkt. Natürlich stimmen die beiden Argumente, jedoch sind genau dies Dinge aktuell in der Blockchain Community die Themen an welchen am aktivsten gearbeitet wird. Mit Technologien wie dem Lightning Framework, Sidechains und Proof-of-Stake (anstatt Proof of Work) ist es nur eine Frage der Zeit bis die heutigen Engpässe überwunden sind.

https://www.nzz.ch/wirtschaft/biz-oekonomen-halten-ein-plaedoyer-gegen-bitcoin-und-co-ld.1395634

Digitales Erbe und Facebook

Bezüglich dem Umgang von digitalen Daten bei verstorbenen Personen ist die Rechtslage heute noch sehr umstritten. In Deutschland dürfte nun ein Fall vor dem Bundesgerichtshof weisenden Charakter erhalten.

Seit Jahren versucht ein Paar Zugang zum Facebook Konto ihrer mit 15 Jahren verstorbenen Tochter zu erhalten. Facebook hatte den Account nach dem Tod in den Gedenkzustand versetzt. Dies bedeutet, dass die Seite nur noch für Kontakte erreichbar ist. Da die Eltern aber nicht mit der Tochter vernetzt waren, haben sie keine Möglichkeit mehr Zugang zu erhalten. Wiederholt haben sich die Eltern an Facebook gewandt, erhielten jedoch keinen Zugriff. Facebook bezog sich darauf, dass sie nicht nur die Rechte der Toten sondern auch deren Facebook Kontakte wahren müsse und so darum beispielsweise private Nachrichten den Eltern nicht zugänglich machen dürfe. Nur wenn alle Facebook Freunde zustimmen würden, dürfte Facebook das Konto den Eltern zugänglich machen. Das Gericht hat nun geurteilt und hat den Eltern Zugriff gestattet.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/digitales-erbe-duerfen-erben-auf-das-facebook-konto-verstorbener-zugreifen-a-1213985.html#ref=rss

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-und-das-digitale-erbe-der-naechste-rechtsstreit-folgt-bestimmt-a-1218308.html

Blockchain Gesetz in Liechtenstein

In Europa hat bezüglich Blockchain die Schweiz und insbesondere Zug die Nase vorn. Nicht umsonst ist bei der Region Zug vom Cryptovalley die Rede. Viele namhafte Unternehmungen aus dem Blockchain Bereich sind in Zug ansässig (z.B. Ethereum). Grund dafür ist, dass die Schweizer Rechtslage für Blockchain Anwendungen sehr offen ist und auch die Behörden aktiv mitarbeiten.

Trotzdem gibt es für Unternehmen aus dem Blockchain Bereich auch in der Schweiz immer noch grosse Hürden. So ist es beispielweise sehr schwierig ein Konto zu eröffnen (siehe letzten Monatsbericht).

Nun möchte Liechtenstein mit diversen Initiativen für Gründer und Startups ihren Standort attraktiver gestalten. Unter anderem soll ein neues „Blockchain-Gesetz“ aufgesetzt werden. Dass Ziel soll „…, die Entwicklung der Blockchain Ökonomie durch gute staatliche Rahmenbedingungen zu unterstützen“. So sollen beispielsweise in Zukunft auch Tokens einer Blockchain als rechtssichere Eigentumsverhältnisse akzeptiert werden.

http://fintechnews.ch/blockchain_bitcoin/blockchain-gesetz-liechtenstein/19679/

Erste regulierte Kryptobörse der Schweiz

Eine neue Schweizer Handelsplattform namens „Swiss Crytpo Exchange“ hat ihren Betrieb aufgenommen. Auf ihr sollen Krypto-Vermögenswerte sicher verwahrt und gehandelt werden können. Die SCX unterstehe den Audits der Selbstregulierungsorganisationen gegen Geldwäscherei sowie Qualitätssicherungsorganisationen.

https://www.netzwoche.ch/news/2018-06-14/die-erste-regulierte-kryptoboerse-der-schweiz-startet

SIX bringt Börse für digitale Werte auf Basis Blockchain

Die Schweizer Börse SIX hat Anfang Jul eine neue Plattform namens „SIX Digital Exchange“ für den Handel, Abwicklung und Verwahrung digitaler Werte gestartet. Die Plattform basiert dabei im Hintergrund auf der Blockchain Technologie und war bei der SIX bereits seit über 2 Jahren in der Entwicklung. Die SIX ist hier jetzt nicht unbedingt Technologievorreiter, jedoch eine – wenn nicht die erste „offzielle“ Börse weltweit welche eine solche Plattform anbietet und betreibt. Die SIX erwartet hier auch Vorteile aufgrund ihres Standings und dem vertrauenswürdigen Umfeld welche sie bieten kann.

https://epaper.nzz.ch/#article/6/Neue%20Zürcher%20Zeitung/2018-07-07/31/233179465 (Achtung Paywall)

Spannende Lösungen und Studien

Studie der BaFin zu Big Data und künstlicher Intelligenz

Die deutsche Finanzmarktaufsicht „BaFin“ hat eine Studie zu den Auswirkungen und Implikationen der Themen Big Data und künstliche Intelligenz veröffentlicht. Ziel war es ein „ein umfassendes Bild zu erhalten, um die BaFin in die Lage zu versetzen, strategische Trends, Marktentwicklungen und neu entstehende Risiken frühzeitig zu identifizieren und angemessen zu adressieren“.

Die wichtigsten Erkenntnisse sind, dass die Themen bereits stark von einzelnen Marktteilnehmern angegangen werden und eine Regulation auch über den Finanzbereich wichtig ist. Aus der Sicht der BaFin bieten die Themen den Finanzinstituten erhebliche Wettbewerbschancen. Auch verändern sich die Kundenerwartungen im diesem Bereich laufend.

https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Pressemitteilung/2018/pm_180614_bdai_studie.html

Anbindung von IFTTT an Bankdienstleistungen

Die Australische Bank ING und das UK Fintech Monzo haben im vergangenen Monat eine Integration mit dem Internet-Dienst IFTTT angekündigt. IFTTT bietet die Möglichkeit, dass man verschiedene Webdienste miteinander verknüpft und bei gewissen Ereignissen andere Dinge auslöst. Beispielsweise kann mit IFTTT beim Erreichen einer gewissen Schrittzahl (z.B. Fitbit) automatisch das Licht (Philips Hue) abends anders farblich gestaltet werden (klar, Beispiel ist etwas sinnfrei, aber geht drum zu verstehen was möglich ist). Eine Erklärung zu IFTT findet man auch in diesem Blog: https://vzilab.ch/2017/10/30/ich-werde-digital-ifttt-meine-persoenliche-automatisierungsmaschine/.

Ich finde die Integration von Finanzinstituten sehr interessant und ist für mich der erste richtige Vorbote was man unter Open Banking erwarten kann.

https://www.ing.com.au/ifttt.html

https://www.bankingtech.com/2018/06/monzo-brings-unconditional-love-to-conditional-actions/

Schweizer E-Voting über Blockchain

Die Stadt Zug hat Ende Juni die erste weltweite Abstimmung über eine Blockchain abgehalten. Wird ja immer wieder diskutiert, dass E-Voting grundsätzlich ein Risiko ist und ein Missbrauch möglich ist. Ich bin überzeugt, dass die Kombination E-Voting und Blockchain aber hier eine sehr gute Basis liefern kann und denke auch, dass ein Missbrauch (sofern die Blockchain auch entsprechend funktioniert -> öffentlich, genügend Nodes etc.) so fast nicht möglich ist und vor allem die Transparenz jederzeit gewährt ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass jedermann sehen kann was jemand anderes abgestimmt hat, jedoch ist immer nachvollziehbar ob meine Stimme auch korrekt aufgenommen wurde und ob das Gesamtergebnis nicht manipuliert wurde.

https://www.netzwoche.ch/news/2018-06-25/zug-steigt-mit-der-blockchain-in-den-e-voting-ring

Chefökonom der UBS als digitaler Avatar

Die UBS hat in einem Pilotversuch ihren Chefökonomen Daniel Kalt als digitalen Avatar/Berater nachgebildet. Einerseits wurde das Gesicht (Mimik & Co.) mit Motion-Capture Verfahren analysiert, anderseits auch die Sprache (Tonalität etc.) digitalisiert.

(Quelle UBS)

Die UBS betont, dass es sich dabei um ein Experiment handelt und ein Produktiveinsatz nicht geplant ist. Der Avatar wurde zusammen mit IBM und der KI-Firma „Face Me“ gemacht.

https://www.netzwoche.ch/news/2018-07-04/ubs-digitalisiert-chefoekonomen

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