Monatsbericht VZ Innovation Lab – Juni 2017

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Crowdfunding Markt Schweiz mit starkem Wachstum

Der Crowdfunding Markt Schweiz hat im 2016 erstmals die 100 Millionen CHF Marke geknackt und liegt nun bei 128 Mio CHF. Dies zeigt eine im Mai erschiene Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen auf [1]. Das entspricht einer Steigerung um über 300 Prozent gegenüber 2015.

Wichtigste Kategorien sind das Crowdlending sowie das Crowdinvesting. Aktuell gibt es rund 50 Plattformen welche in der Schweiz aktiv sind. Wichtigste Plattformen sind „investiere.ch“, „crowdhouse“. In der Studie nicht berücksichtigt ist die Plattform Loanboox welche eine Plattform für die Vermittlung von Krediten für institutionelle Anleger und öffentliche Ämter anbietet.

Ich teile die Meinung der Studienautoren, dass wir in den nächsten Jahren ein ähnliches Wachstum erwarten dürfen. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit bis Crowdsourcing Modelle allgemein akzeptierte Alternativen zu Banken & Co. sein werden.

Quellen

Schweizer e-Identität nimmt Formen an

Seit Jahren wird darüber geredet. Verschiedene Anläufe sind gescheitert. Doch nun scheint es, dass eine digitale Identität in der Schweiz endlich Tatsache wird. Zwei Allianzen sind aktuell technische Lösungen am Implementieren respektive Einführen. Einerseits hat die SBB mit der Post ein Joint-Venture namens SwissSign [2] gegründet, welches auf dem SwissPass basieren wird. Anderseits hat die UBS mit der Allianz Versicherung eine Kooperation angekündet [3]. Ebenfalls hat die UBS, CS & Swisscom Ende 2016 ein Vorhaben in diesem Bereich angekündet [4][5]. Hier wurde es allerdings still in den letzten Monaten und die Kooperation der UBS mit der Allianz wirft auch ein schiefes Licht auf das Vorhaben.

Es ist zu erwarten, dass sich die beiden Allianzen in einer ersten Phase konkurrieren werden. Ich sehe hier eine ähnliche Situation wie rund um Twint wo sich ebenfalls die halbstaatliche Industrie (Postfinance) mit der privaten Industrie (SIX, UBS & Co.) konkurriert hat. Im Gegensatz zur Situation mit Twint wo ausländische Player (Apple Pay, Samsung Pay) in den hiesigen Markt drängen, wird sich dies bei den digitalen Identitäten so kaum ergeben. Darum gehe ich davon aus, dass es durchaus möglich sein wird, dass mehrere Identitätsprovider nebeneinander existieren werden. Der Bundesrat hat angekündet, dass er die Bereitstellung einer digitalen Identitätsinfrastruktur nicht als Aufgabe des Bundes sieht, sondern nur Standards und Handlungsrichtlinien erlassen hat/wird.

Ebenfalls gibt es in der Schweiz diverse Startups welche Identity-Plattformen entwickeln, die danach durch Infrastruktur-Anbieter genutzt werden können. Prominentes Beispiel ist die Firma „Procivis“ welche mit verschiedenen Kantonen, der Weltbank und Organisationen der UN in Gesprächen ist [6].

Quellen

Die Explosion der Crypto-Währungen

Im Mai erlebten die sogenannten Crypto-Währungen ein wahrliches Feuerwerk. Die bekannteste Crypto-Währung „Bitcoin“ hat dabei ein Kursanstieg von über 70% Prozent erlebt und in den nachfolgenden Tagen wieder ein Sturz um über 30%. Über die Nachhaltigkeit von Bitcoin als virtueller Währung gehen die Meinungen auseinander [7]. Jedoch muss man sich vor Augen führen, dass die Marktkapitalisierung von Bitcoin aktuell gegen 36 Mia USD (Stand 31.5.2017) geht. Beeindruckt von den Kursavancen hat die deutsche Bundesbank Mitte Mai einen Warnruf in den deutschen Medien abgegeben [8].

Neben Bitcoin haben aber andere Crypto-Währungen noch viel grössere Zuwendung gefunden. Insbesondere Ripple (ist eigentlich keine virtuelle Währung) und Ether (von der Smart-Contract Plattform Ethereum) haben grosse Sprünge gemacht. Wo Experten über Bitcoin geteilter Meinung sind, so herrscht bezüglich der Ethereum Plattform aber mehr oder weniger Einigkeit und wird als „the next big thing“ angeschaut.

Wenn man die gesamte Marktkapitalisierung von virtuellen Währungen und Assets betrachtet so reden wir von aktuell (30.5.2017) rund 80 Mia USD [9].

Eindrücklich in diesem Zusammenhang ist auch die Veränderung der Marktdominanz von Bitcoin [10].

Die Gründe für die Explosion der Crypto-Währungen sind vielfältig und nicht klar bestimmbar. Einerseits hat per Anfang April Japan Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel legimitert, anderseits geht man davon aus dass in vielen Krisenstaaten die Crypto-Währungen als einfache Möglichkeit genutzt werden um Ersparnisse (vermeintlich?) in Sicherheit zu bringen. Zudem gehe ich davon aus, dass auch vermehrt „traditionelle“ Anleger die virtuellen Währungen als zusätzliche „Asset Class“ in ihr Portfolio nehmen.

Quellen

Spannende Lösungen

Credit Suisse setzt Robo-Chatbot für die Unterstützung im Compliance Bereich ein.
http://www.reuters.com/article/us-milken-conference-creditsuisse-idUSKBN17X2JC?il=0

Smartphone-App für Vermieter und Hausverwaltungen zum Verwalten aller Dinge rund um Immobilien. So können Mieteingänge überprüft werden, Wertentwicklung der Immobilie verfolgt werden, Details zur Liegenschaft und Mieter verwaltet werden. Ebenfalls können mehrere Bankkonten dafür angebunden werden.
https://www.home.ht/

ee doctors ist eine Schweizer Smartphone App mit welcher man per Video eine Arztkonsultation durchführen kann. Die Ärzte sind von 8-21 Uhr erreichbar und können von überall auf der Welt kontaktiert werden.
https://eedoctors.com/
https://www.pokipsie.ch/apps/ios/eedoctors-arztbesuch-via-smartphone/ (Erfahrungsbericht)

Weiterbildungsartikel/-video des Monats

Im Dezember 2016 ging ein Artikel des „Magazin“ des Tagesanzeigers um die Welt. Darin wird erklärt, wie Donald Trump zu seinem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen in den USA gekommen sein soll. Unter anderem wird aufgezeigt wie mittels Big Data Algorithmen, dem Sammeln von Daten sowie Profilerstellung die Wähler zielgenau angesprochen werden konnten. Auch wenn vieles was im Artikel ausgeführt wurde, nicht ganz stimmt (siehe auch Gegendarstellung des WDR https://blog.wdr.de/digitalistan/hat-wirklich-der-grosse-big-data-zauber-trump-zum-praesidenten-gemacht/) so macht es schon nachdenklich.

Nicht erfunden sind die Studien von Dr. Michal Kosinksi der Cambridge University. So haben diese schon im 2014 aufgezeigt, dass mittels einer recht überschaubaren Anzahl von Datenpunkten (z.B. Facebook Likes) das psychologische Profil eines Menschen sehr genau bestimmt werden kann. Darüber gibt es bereits einen Artikel im Blog des VZ Innvation Blog (70 Facebook Likes = Umfassendes Persönlichkeitsprofil).

Mittlerweile sind Kosinski und Kollegen an weitergehenden Studien dran. So erforschen sie aktuell ob aufgrund von Fotos und dem Verknüpfen von Big Data ebenfalls die Bestimmung von psychologischen Profilen möglich ist. Und ja, ist es.

Das folgende Youtube-Video zeigt eine Präsentation von Michal Kosinski wo er seine Studien erläutert und auch herleitet warum aus seiner Sicht „The End of Privacy“ eintreffen wird respektive schon eingetroffen ist.

Ich empfehle das Video unbeschränkt. Es zeigt auf, was heute schon möglich ist (und daher wohl auch von einzelnen Staaten/Unternehmungen genutzt wird) und wohin die Zukunft gehen wird.

Gadget des Monats

Vom Amazon Echo dürften die meisten schon gehört haben. Wenn nicht, sollte man dies unbedingt nachholen (https://www.youtube.com/watch?v=jDmYcfM6mXY). Solche „Voice Assistants“ werden meiner Meinung nach in den nächsten Jahren eine ähnliche Verbreitung erleben wie Smartphones.

Amazon hat nun ein neues Gerät namens Amazon Echo Show präsentiert welches einen Bildschirm integriert hat. Neben der Anzeige von Informationen ist es nun auch möglich direkt Videotelefone darüber zu führen. Ein anschauliches und tolles Video über die Möglichkeiten findet man auf Youtube.

 

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