Monatsbericht VZ Innovation Lab – Juni 2018

Lieber als PDF lesen? Monatsbericht 2018-06 

Nennenswerte Marktentwicklungen

Simpego – neues Insurtech Startup in der Schweiz

Mit Simpego ist eine neue Versicherungsplattform in der Schweiz an den Start gegangen. Auf Simpego erhält man die Möglichkeit eine Versicherung zeitlich fixiert (ohne automatische Verlängerung) und individuell zusammenstellbar auf Knopfdruck zu kaufen. Aktuell kann man Reiseversicherungen abschliessen (Wohin, Wie lange, Wie viele Personen). Geplant und auf der Webseite bereits ersichtlich sind weitere Angebote (Digitale Tools, Leben, Fahrzeuge und „Home“).

 

Hinter Simpego steht gemäss Selbstaussage ein „junges Team von Versicherungsspezialisten, Startup-Expertinnen und Pixel-Enthusiasten“ (by the way, diese Bezeichnung gefällt mir :-)) und ist in Basel zuhause.

Simpego ist als unabhängiger Broker unter der Marke „Creadi AG“ bei der Finma registriert. Im Hintergrund wird dabei gemäss Fintechnews mit den Versicherungen Baloise, Coop Rechtsschutz und ERV zusammengearbeitet.

https://www.simpego.ch/

https://www.simpego.ch/about

http://fintechnews.ch/insurtech/simpego-ein-neues-insurtech-startup-in-der-schweiz/18820/

Bundesrat prüft E-Franken

Auf dem Blog des VZ Innovation Lab und auch in Referaten habe ich schon diverse Male die Überlegung eines E-Franken thematisiert. Dieser E-Franken wäre eine Kryptowährung auf Basis einer Blockchain. Im Gegensatz zu Bitcoin würde dieser aber einen realen Wert repräsentieren (1:1 zum Schweizer Franken) und würde herausgegeben von einer vertrauenswürdigen Institution (z.B. Schweizer Nationalbank).

Vor einigen Monaten wurde dazu ein Thesenpapier von einem Zusammenschluss von Fintech Unternehmern („Fintech Rockers“) veröffentlicht (siehe dazu Monatsbericht Innovation Lab April 2018). Auch die Chefin der Hypi Lenzburg hat in der Vergangenheit sich positiv zu einem E-Franken geäussert. Von der Schweizer Nationalbank wurden aber relativ schnell negative Wortmeldungen zu einem E-Franken laut.

Nun hat der Bundesrat aufgrund eines Postulats von SP-Nationalrat Cédric Wermuth eine Untersuchung dazu in Auftrag gegeben. Dabei sollen die Vor- und Nachteile geprüft hinsichtlich rechtlicher, wirtschaftlicher und geldpolitischer Aspekte. In anderen Ländern sind die Überlegungen diesbezüglich schon weiter fortgeschritten. So prüft Schweden die Einführung einer E-Krona und gemäss Insidern dürfte es nicht mehr lange dauern bis die offizielle Lancierung ansteht. In Venezuela (okay, vielleicht nicht das beste Vorbild….) ist eine staatliche Kryptowährung namens „Petro“ bereits Tatsache. Auch Estland (das wohl digitalste Land der Welt….) ist daran eine Kryptowährung zu realisieren.

Persönlich bin ich überzeugt, dass ein Franken grosse Chance sein könnte. Insbesondere auch hinsichtlich einer aktiven Rolle der Schweiz – und insbesondere Zug – im ganzen Blockchain Thema. Aber natürlich geht dies hier auch über eine technologische Diskussion hinaus.

https://www.nzz.ch/wirtschaft/bundesrat-laesst-e-franken-untersuchen-ld.1386550

https://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/krypto-franken-hypi-chefin-wildi-fordert-digitale-waehrung-132112898

https://www.nzz.ch/wirtschaft/snb-sieht-raum-fuer-blockchain-aber-nicht-fuer-kryptowaehrungen-und-e-franken-ld.1374716

https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20183159

https://www.nzz.ch/wirtschaft/venezuela-nimmt-millionen-mit-erster-staatlicher-kryptowaehrung-ein-ld.1359171

https://ethereumworldnews.com/iota-based-e-krona-cryptocurrency-to-be-launched-by-sweden/

Paypal kauft iZettle

Papyal hat das schwedische Startup iZettle für rund 2,2 Milliarden US-Dollar übernommen. iZettle baut Kreditkartenleser welche mit Smartphones und Tablets zusammenarbeiten. Dabei fallen keine monatlichen Gebühren oder Mindestumsätze an, es werden aber transaktionsabhängige Gebühren fällig.

Paypal versucht mit verschiedenen Initiativen vermehrt im stationären Handel Fuss zu fassen und bietet neu auch weitere Banking Dienstleistungen neben dem Bezahlen an (siehe auch Innovation Lab Bericht Mai).

https://www.izettle.com

https://www.golem.de/news/startup-paypal-kauft-izettle-fuer-2-2-milliarden-us-dollar-1805-134458.html

Starbucks besitzt das meistgenutzte Mobile Payment System

Mobile Payment Systeme gibt es mittlerweile Diverse und es herrscht dabei auch ein grosser Konkurrenzkampf.

Interessant ist jedoch, dass das erfolgreichste Mobile Payment System in den USA nicht von einer Bank oder einem der Tech-Giganten stammt, sondern von der Kaffeehaus-Kette Starbucks. Bezüglich aktiver Benutzer welche an einem POS mit dem Mobile bezahlen überflügelt Starbucks die anderen Lösungen und dies dürfte so auch in den nächsten Monaten bleiben.

https://www.recode.net/2018/5/22/17377234/starbucks-mobile-payments-users-apple-pay-google

MoneyPark lanciert Hypothekenmarkt

Moneypark bringt eine digitale Hypothekenbörse für selbstgenutzte Liegenschaften. Idee dahinter ist, dass dabei eine Vermittlung zwischen Eigenheimbesitzern mit Hypothekarbedarf sowie Institutionellen Anlegern direkt stattfinden soll. Die Bewirtschaftung der Hypotheken (Risk Management, Reporting etc.) wird dabei von einer Tochterfirma von Moneypark (Finovo) übernommen. Ziel mit einer solchen Plattform ist es die Banken, welche heute in der Regel zwischen Institutionellen Anlegern und Schuldnehmern sitzen, aus dem Spiel zu nehmen.

Spannend ist der Ansatz durchaus. Fraglich wird sein ob Privatkunden einer solchen digitalen Plattform genug Vertrauen entgegenbringen. Das ist bekanntlich auch eine Herausforderung von digitalen Anlagelösungen.

http://fintechnews.ch/online-mortgage/moneypark-lanciert-mex-will-schweizer-hypothekarmarkt-revolutionieren/18813/

Revolut wird gebührenfreies Trading anbieten

Jetzt kann ich dann Revolut bald als stehendes Traktandum aufnehmen. Aber es ist schon beeindruckend mit welcher Geschwindigkeit das UK-Fintech neue Funktionen und Dienstleistungen an den Markt bringt. Als neustes Baby wurde die Möglichkeit angekündigt mit der App gebührenfreies Trading zu betreiben. Als Vorbild dient dabei offensichtlich die Lösung von Robinhood (welche aber nur in den USA vorhanden ist).

https://techcrunch.com/2018/06/06/revolut-announces-a-robinhood-like-trading-product/

http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/fintech-smartphone-bank-revolut-aus-grossbritannien-wird-zum-bankenschreck/22655414.html

Neue rein digitale Bank „Neon“ wird im Sommer lanciert

Nach der Bank Cler (mit Zak) soll in Kürze eine weitere Digital-Only Bank in der Schweiz an den Start gehen. Es handelt sich dabei um ein Startup namens „Neon“ welches mit einer Finanzierung von über einer Million Franken ausgestattet wurde. Zu den Investoren gehören unter anderem Dominik Grolimund (Gründer von Wuala und Refind.com) sowie die Innovationsstiftung der Schwyzer Kantonalbank.

Neon wird dabei selber nicht über eine Banklizenz verfügen sondern mit der Hypi Lenzburg zusammenarbeiten. Es wird dabei die neue Open Banking Schnittstelle der Hypi Lenzburg genutzt. Wer Kunde des Neon Angebot wird, wird automatisch auch Kunde der Hypi Lenzburg. Neon ist jedoch gemäss Eigenaussage wirtschaftlich und unternehmerisch unabhängig. Geplant ist dabei, dass Neon eine Banking-Plattform wird, wo mittelfristig auch andere Angebote und Partner Platz finden.

http://www.neonbanking.com

https://www.finews.ch/news/banken/31888-neon-hypi-lenzburg-app-skalen-fintech

https://www.moneytoday.ch/news/neon-mit-open-banking-der-hypothekarbank-lenzburg/

Hypi Lenzburg ermöglicht Konten für Blockchain Unternehmen

Auch wenn wir uns in der Schweiz gerne als Blockchain-Land bezeichnen und im Sinne der Standortförderung viel in diesem Bereich (auch von der Politik) unternommen wird, so erscheint die folgende Nachricht schon etwas in einem komischen Licht.

Bis anhin war es für Unternehmen und Startups im Bereich Blockchain fast nicht möglich eine Kontobeziehung aufzunehmen, da die Schweizer Banken Compliance Probleme und Reputationsrisiken befürchteten. Aus meiner Sicht handelt sich hier auch teilweise um einen Herdentrieb (machen es die anderen nicht – mach ich es auch nicht….). Die Unternehmen sind darum nach Liechtenstein ausgewichen.

Nun hat die Hypi Lenzburg bekannt gegeben, dass sie Blockchain- und Kryptounternehmen als Kunden aufzunehmen gedenkt.

https://www.finews.ch/news/banken/32069-hypothekarbank-lenzburg-marianne-wildi-krypto-blockchain-firmenkunden

Safe-Side – neues Insurtech Startup im Life Insurance Bereich

Mit Safe-Side wird in Kürze ein neues Insurtech-Startup an den Start gehen. Ziel ist es gemäss Eigenaussage durch eine neue digitale Lösung Transparenz in den Lebensversicherungsbereich zu bringen. Ihr Motto lautet „Pure life insurance anytime, anywhere, fully digital and transparent, all in less than 3 minutes.” Genaueres ist dabei aber noch nicht bekannt.

Bei Safe-Side handelt es sich um ein Startup welches am Accelerator Program des SIX Fintech Inkubator F10 teilnimmt.

http://www.f10.ch/safe-side-helps-finding-a-way-out-of-the-seemingly-impenetrable-life-insurance-jungle

Deutsche Bank begräbt digitale Bank

Im letzten Herbst hat die deutsche Bank angekündigt eine rein digitale Bank zu lancieren (u.a. mit Gratiskonto) welche primär an eine junge Zielgruppe gerichtet war. Diese Pläne wurden nun begraben und man konzentriere sich darauf die digitale Plattform aufzubauen.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/digitale-plattform-deutsche-bank-verwirft-plan-fuer-digitalbank/22617396.html

https://www.finews.ch/news/banken/31946-deutsche-bank-digitale-bank-neon-zak

Insurtech-Startup Coya erhält Funding

Das deutsche Insurtech Startup Coya erhält eine Finanzierung von rund 30 Millionen Euro. Unter anderem gehört Peter Thiel (Paypal, Palantir, Facebook) zu den Investoren. Gemäss Eigenaussagen gehört das Startup dabei zu den am besten finanzierten Startups in dieser frühen Unternehmungsphase in Deutschland.

Die Idee von Coya soll es sein flexible Versicherungsangebote für den Massenmarkt innert kürzester Zeit zur Marktreife zu bringen. Dafür wurde eine eigene Technologie auf Basis von künstlicher Intelligenz entwickelt. Lunch von Coya soll diesen Sommer sein.

https://coya.com/

https://www.gruenderszene.de/business/coya-30-millionen-finanzierung-insuretech

Spannende Lösung – Tend

Bei Tend handelt es sich um ein Schweizer Blockchain Startup aus Zug. Ihr Konzept ist sehr einfach und spannend.

Idee ist es, das man Luxusgüter nicht alleine anschafft und besitzt sondern diese mit anderen Mitbesitzern teilt. Die Besitzverhältnisse und Nutzungsrechte werden dabei nicht von einer Drittpartei koordiniert, sondern über eine Blockchain verbrieft und protokolliert. Da aktuell die rechtliche Akzeptanz von Blockchains juristisch noch nicht gegeben ist, wird bis zu diesem Zeitpunkt die rechtliche Absicherung noch zusätzlich „analog“ vorgenommen (Verträge & Gründung einfacher Gesellschaften).

So soll es beispielsweise möglich sein eine Porsche Speedster oder ein italienisches Weingut anteilsmässig zu beschaffen. Dabei erhält man auch Nutzungsrechte und kann zum Beispiel eine definierte Anzahl Tage (gemäss Eigentumsverhältnisse) das Gut selber nutzen. Tend selber wird dabei nur als Service-Provider involviert (Abwicklung Kaufmodalitäten, Koordination Garage, rechtliche Aspekte regeln etc.). Ziel ist es eine Community von Mitgliedern aufzubauen welche gemeinschaftlich solche Investments tätigt. Geplant ist auch, dass Mitglieder ihre Besitzansprüche an andere Mitglieder weiterverkaufen können, sowie existierende Besitztümer von Mitgliedern an andere Mitglieder (zu Teilen) verkauft werden können. Tend will sich dabei über eine Gebühr finanzieren.

Gegründet wurde Tend von Marco Abele (ehemaliger Digitalchef der Credit Suisse) und befindet sich aktuell in einer Pilotphase. Man kann sich hierbei bereits registrieren – dabei gibt es jedoch eine Wartefrist.

Ich finde die Idee sehr spannend und attestiere ihr ein Potential. Fraglich ist nur ob Tend die notwendig grosse Community zusammenbringt.

https://www.tendswiss.com

https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-02-08/ex-credit-suisse-banker-launches-platform-talks-with-allianz

 

Video des Monats – Rise of the Super App

Smartphones und Apps sind mittlerweile aus dem Leben vieler Leute nicht mehr wegzudenken. Oft definiert man sich selber ein wenig darüber welche Apps man auf dem Smartphone nutzt. Weitverbreitet gilt ja auch das Motto „There’s an app for that“.

Wie wird sich das aber in Zukunft entwickeln? Es gibt viele Experten welche ein Ende der „App-Era“ prophezeien und ein Siegeszug von Chatbots auf Messenger Plattformen voraussagen (siehe auch diesen VZ Innovation Lab Blogeintrag). Eine gegenteilige Einschätzung präsentiert Connie Chan von Andreessen Horowitz. Andressen Horowitz ist eine sehr bekannte Investorenfirma im Tech-Umfeld und ihre Vorhersagen sind in der Vergangenheit recht akkurat gewesen. Vom Mitbegründer Marc Andreessen (u.a. Gründervater des Netscape Browser) stammt auch der bekannte Artikel „Why Software Is Eating The World“ welcher im August 2011 im Wall Street Journal veröffentlicht wurde.

Connie Chan legt sehr verständlich dar, warum sie das Aufkommen von sogenannten Super Apps sieht. Super Apps sind Apps welche innerhalb der App ein Sprungbrett für weitere Apps sind. Aktuell sind diese Super Apps vor allem im asiatischen Raum dominant. So sind beispielsweise innerhalb der Alipay App über zwei Dutzend weitere Apps integriert (Alipay ist die dominierende App für mobiles Bezahlen in China). Diese integrierten Apps sind jedoch nicht von Alipay selber, sondern werden von Dritten entwickelt und zur Verfügung gestellt. Die Alipay App selber ist der Eintrittspunkt für diese Apps der Dritthersteller. Gleichzeitig nutzen diese Dritthersteller Apps Dienstleistungen und Infrastruktur des Super App Anbieter. Im Falle von Alipay kann man in diesen Apps direkt mit Alipay bezahlen. Vielerorts ist die Rede der sogenannten Plattform-Ökonomie. Bekannte Plattformen hierbei sind Amazon, Ebay. Diese Super Apps sind nichts Weiteres als die logische Konsequenz.

Das folgende Video zeigt die Überlegung der Super Apps gut auf und ist sehr verständlich präsentiert.

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