Monatsbericht VZ Innovation Lab – März 2018

Lieber als PDF lesen? Monatsbericht 2018-03

Nennenswerte Marktentwicklungen

Finma bessert bei Video & Online-Identifizierung nach

Seit rund zwei Jahren erlaubt die Finma die Identifizierung von Kunden auch über Video. In dieser Zeit konnten erste Erfahrungen gesammelt werden und so schlägt die Finma nun Anpassungen vor. Diese betreffen vor allem zwei Bereiche.

Einerseits sollen die Sicherheitsanforderungen erhöht werden. So muss neu mit „mindestens dreier zufällig ausgewählten optischen Sicherheitsmerkmalen“ die Identifikation durchgeführt werden. Anderseits ist nun unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Überweisung von einer Bank aus einem FATF-Mitgliedsstaat zulässig.

https://www.finma.ch/de/news/2018/02/20180213-mm-rs-video-und-online-identifizierung/

http://fintechnews.ch/fintech/schweizer-finma-will-sicherheitsstandards-bei-online-identifizierung-erhohen/16134

Veröffentlichung von Richtlinien für ICO durch Finma & BaFin

Schon lange wurde der Ruf nach Regulierung im ICO-Umfeld laut (Initial Coin Offering àWas ist ein ICO). Vor allem in der Schweiz und insbesondere in Zug gingen in den letzten Monaten sehr grosse ICO mit Volumen im dreistelligen Millionenbereich über die Bühne. Nicht immer klar war die Seriosität der ICO sowie Unternehmungen und deren Geschäftsmodelle dahinter.

Die Finma und BaFin haben nun Mitte Februar erstmalig Richtlinien veröffentlicht.

Die Finma sieht hierbei vor, dass die Charakteristika von ICO in vier Klassen unterschieden werden.

  • Zahlungs-Token: hier werden reine Kryptowährungen eingeordnet
  • Nutzungs-Token: diese Token sichern einen Zugang zu einer (digitalen) Dienstleistung des Issuers
  • Anlage-Token: diese sollen Anteile an Realwerten repräsentieren
  • Pre-Financing/Pre-Sale Token: diese entsprechen dem Recht an einem anderen ICO / Erwerb von Token.

Die BaFin sieht ebenfalls eine Einteilung in drei Klassen vor. Orientiert sich aber eher bestehenden Finanzinstrumenten (Finanzinstrument gemäss MiFID II, Wertpapier gemäss WpPG, Vermögensanlage gemäss VermAnlG).

Aufgrund der Einordnung in bestehende Klassen greifen bereits existierende Regulatorien und müssen entsprechend eingehalten werden bei ICO.

In ersten Einschätzungen begrüssen Experten das Vorgehen und die Auslegung der beiden Aufsichtsinstitute. Jedoch bestehen auch Zweifel ob damit alle Anwendungsfälle für welche heute und in Zukunft die ICO genutzt werden, auch sinnvoll abgedeckt werden können.

https://www.finma.ch/de/news/2018/02/20180216-mm-ico-wegleitung/

https://www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Merkblatt/WA/dl_hinweisschreiben_einordnung_ICOs.pdf?__blob=publicationFile&v=2

https://bitcoinblog.de/2018/02/22/bafin-publiziert-leitlinien-zum-umgang-mit-icos/

Einschätzung der Kanzlei Walder Wyss
http://news-cdn.walderwyss.com/doc/5d6/mt9/special_edition_newsletter_ico_2018.pdf

Einschätzung von MAMA (Multichain Asset Management Association)
https://medium.com/m-a-m-a-global/a-summary-of-todays-finma-circular-for-ico-s-and-token-transfer-law-and-implications-for-the-b6c248e5560

MoneyPark übernimmt Fintech Finovo

Der Hypothekarvermittler Moneypark hat das Zürcher Startup finovo zu 100% übernommen. Finovo bietet institutionellen Anlegern – insbesondere Pensionskassen-  eine Gesamtanlagelösung für Investitionen in Hypotheken an. Der Vorteil soll dabei eine effiziente Bewirtschaftung dank einer eigens entwickelten Plattform sein. Moneypark ihrerseits ist mehrheitlich im Besitz der Helvetia Schweiz

https://www.finovo.ch/home

https://www.startupticker.ch/en/news/february-2018/moneypark-ubernimmt-proptech-startup-finovo

Robo-Advisor Investify erhält Finanzspritze

Der deutsche Robo-Advisor erhält in einer Serie-A-Finanzierungsrunde einen zweistelligen Millionenbetrag. Bereits vor einiger Zeit konnte mit der Hamburger Sparkasse eine Vertriebspartnerschaft abgeschlossen werden. Die Haspa ist die grösste Sparkasse Deutschlands.

https://www.gruenderszene.de/allgemein/robo-advisor-investify-serie-a

Axa beteiligt sich an Sobrado

Der Allversicherungskonzern Axa erwirbt im Rahmen einer Kapitalerhöhung eine Beteiligung an der Broker-Plattform Sobrado. Sobrado bietet mit einer komplett digitalisierten Plattform eine hohe Effizienz bei der Verbindung von Broker und Versicherungsanbieter bei Ausschreibungen.

https://sobrado.ch/news/show/5a9d31bc74782077097c8ad9

https://www.finews.ch/news/versicherungen/30934-axa-sobrado-insurtech-swiss-life

Valiant beteiligt sich an AgentSelly

Die Valiant Bank beteiligt sich am Startup AgentSelly. Die Aktienmehrheit bleibt jedoch bei den Gründern. AgentSelly soll den Verkauf einer Immobilie auch für Laien möglich machen und unterstützt im Prozess transparent. Die digitale Plattform wird kombiniert mit persönlicher Beratung. Für Verkäufer ist die Lösung kostenlos, Käufer bezahlen eine Gebühr. Bis Ende 2017 hiess das Startup noch fidesso.

http://www.agentselly.ch/

https://www.startupticker.ch/en/news/march-2018/valiant-bank-beteiligt-sich-an-agentselly

Rocket Internet verkauft Lendico

Das deutsche Crowdlending-Fintech Lendico, welches auch in der Schweiz tätig ist, wird von Rocket Internet verkauft. Rocket Internet ist die Beteiligungsgesellschaft der Gebrüder Samwer. Unter anderem hat sich Rocket Internet schon in der Frühphase an Zalando beteiligt.

Der Deutsche Teil von Lendico wird dabei von der ING Diba übernommen. Die ING Diba ist in den letzten Monaten verschiedene Kooperationen mit Fintech eingegangen (Robo-Advisor Scalable Capital, Versicherungsbroker Clark).

Der Schweizer Teil von Lendico wird von Postfinance komplett übernommen. Bereits in der Vergangenheit bestand eine Kooperation zwischen Postfinance und Lendico. Gemäss einem Artikel der Handelszeitung ist der Erfolg von Lendico in der Schweiz aber sehr überschaubar, geht man doch von einem Gesamtvolumen der Kreditprojekte von 300‘000 Franken aus. Dies dürfte aber auch in Zusammenhang mit der restriktiven Regulierung rund um Crowdlending in der Schweiz haben (siehe dazu auch VZ Innovation Lab Monatsbericht September 2017).

https://www.gruenderszene.de/allgemein/ing-diba-kauft-lendico

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/rocket-internet-dust-ab

Amazon plant Bankdienstleistungen

Es wird schon länger drauf gewartet, dass einer der GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) mit dem Anbieten von Finanzdienstleistungen startet. Nun scheint es soweit, dass Amazon in den USA ein Bankkonto anbieten will. Diese Dienstleistung soll zusammen mit JPMorgan angeboten werden. Einschätzungen von Experten gehen dabei auseinander.

Einzelne sehen hier die erste Speerspitze in der Rolle als Finanzdienstleister. Andere beurteilen den Vorstoss mehr unter dem Blickwinkel, dass Amazon einfach konsequent alle Prozesse rund ums Online-Shopping effizienter (=kostengünstiger) machen will. Und heute ist oft der Bezahlvorgang hier noch eine Hürde. Mit dem direkten Zugriff aufs Bankkonto des Konsumer besteht hier natürlich viel Potential – Nicht nur in der Transaktionsabwicklung, sondern auch aus der Perspektive Big Data.

Ich habe schon mehrfach meine Einschätzung abgegeben, dass Banken junge Fintechs nicht fürchten müssen. Richtige Konkurrenz- und Disruptionspotential ist dann vorhanden, wenn die grossen Tech-Konzerne sich die Banken und Versicherungen vornehmen. Hierbei gibt es auch eine aktuelle Studie welche aussagt, dass in Deutschland bis 25% bereit sind ihre Bank(!)-Daten an Technologiekonzerne weiterzugeben.

https://www.ft.com/content/6f89263c-209a-11e8-a895-1ba1f72c2c11

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bezahlen-im-internet-willkommen-bei-der-bank-of-amazon-1.3892815

https://www.der-bank-blog.de/psd2-datenweitergabe/marketing/32405

 

N26 und Revolut mit starkem Wachstum

Die beiden Fintech N26 und Revolut habe ich schon des Öfteren in diesem Blog erwähnt. Kurze Notiz:

N26 hat nach übereinstimmenden Medienberichten die Gewinnschwelle überschritten und schreibt nun schwarze Zahlen. Gemäss Eigenaussagen wachse man pro Tag um rund 2000 Kunden. Aktuell wird vor allem am Ausbau von Angeboten über Dritte gearbeitet. Zudem ist der Markteintritt in den USA geplant.

https://futurezone.at/start-ups/online-bank-n26-schreibt-schwarze-zahlen/400004930

Revolut war in den letzten Monaten auch öfters in den Medien ein Thema. Das Kundenwachstum ist beeindruckend. So hat Revolut in der Zwischenzeit 1.5 Millionen Kunden. Jedoch hat dies auch seinen Preis. So scheinen die Arbeitsbedingungen eher grenzwertig zu sein und es wird den Mitarbeitern viel abverlangt.

https://techcrunch.com/2018/02/25/revolut-broke-even-in-december-now-has-15-million-customers

https://news.efinancialcareers.com/uk-en/308782/revolut-work-life-balance

Spannende Lösungen

Swiss21 – kostenlose Bürosoftware für KMU aus der Cloud

Swiss21 ist eine neue Organisation welche ein Zusammenschluss von Schweizer Softwarehersteller ist (u.a. Abacus). Diese werden einen Teil ihrer Businesstools kostenlos als Cloud-Lösungen zur Verfügung stellen. Die Lösung ist aktuell erst angekündet, geplant sind die Module Offerten & Rechnungen, einfache Buchhaltung, Kunden- und Kontaktmanagement sowie ein Webshop mit integrierter Bezahlmöglichkeit.

Eine solche Softwarelösung ist an sich natürlich nicht etwas sehr innovatives. Ich gehe jedoch davon aus, dass hier ein „Freemium“-Modell verfolgt wird. Das bedeutet, dass man eine kostenlose aber doch brauchbare Dienstleistung anbietet, dadurch aber potentielle Kunden anspricht welche – zumindest teilweise – in ein kostenpflichtiges Angebot überführt werden kann. Den Ansatz finde ich sehr interessant und – zumindest in der Schweiz – noch nicht üblich.

https://swiss21.org/

http://www.itmagazine.ch/Artikel/66569/Swiss21_org_kostenlose_Buerosoftware_fuer_KMU_aus_der_Cloud_.html

Virtueller IT-Support Agent bei Credit Suisse

Die Credit-Suisse hat ein Anbieter von Lösungen im Bereich der künstliche Intelligenz beauftragt einen „in-house virtual agent“ für den IT-Support zu entwickeln..

Dieser virtuelle Agent heisst „Amelia“, weiblich und ist mittlerweile produktiv im Global IT Service Desk in Betrieb. Die Zahlen sprechen für sich. Man geht von einer 87% korrekten Sprache- und Intentionserkennung aus (ungleich Lösungsquote!). Dies ist eine relativ hohe Quote. Auch wurden gewisse menschliche Eigenschaften einprogrammiert. So erkennt Amelia auch die Stimmung des Gegenpartners und reagiert entsprechend (diese Funktion macht viel Sinn bei IT Problemen J…). Ein Projektteam hat im Vorfeld Amelia trainiert und es gibt eine Triage welche Themen und Lösungen Amelia selber durchführen kann (z.B. Passwortreset) und welche wie bisher an einen Menschen weitergegeben werden. Zudem wird die künstliche Intelligenz weiterentwickelt und lernt im Sinne von Machine Learning auch laufend selber dazu.


https://www.youtube.com/watch?v=tbrcKYdziB0

http://www.bankingtech.com/2018/02/virtual-agent-amelia-answers-credit-suisses-call-for-tech-support/

Hypi Lenzburg und Regiodeal.ch

Die Hypi Lenzburg gehört neben der Postfinance zu den Befürwortern von Open-Banking (siehe auch diesen Artikel). Die reine technische Öffnung von Schnittstellen ist an sich witzlos so lange die sinnvollen Anwendungsfälle fehlen. Die Hypi Lenzburg in Zusammenarbeit mit der Bernerland Bank haben hier aber einen interessanten Case lanciert.

Bei Regiodeal.ch handelt es sich um Plattform wo Schäppchen und Angebote publiziert werden können von lokalen KMU. Ist man dabei Kunde einer der beiden Banken so profitiert man von zusätzlichen Spezialangeboten in Form von „Premiumdeals“. Dies ist für alle Parteien eine win-win-Situation. Die beiden Banken haben so für ihre KMU- und Privatkunden ein Treueprogramm lanciert (welches erst noch rein digital ist, und darum eher kostengünstig) und die teilnehmenden KMU gelangen darüber an potentiell neue Kundschaft.

https://regiodeal.ch/

https://www.finews.ch/news/banken/30857-hypothekarbank-lenzburg-bernerland-bank-werbeplattform-regiodeal

Ausbildungsthema des Monats – Design Thinking

Der Begriff des Design Thinking ist das neuste Schlagwort welches von Möchtegern-Innovatoren, Beratern & Co. wie ein „Säuli durchs Dorf“ getrieben wird.

Doch was steht eigentlich überhaupt dahinter? Kleiner Tipp; mit Farben und Kunst hat es so ziemlich gar nichts zu tun. Auch ist es nichts wahnsinnig Neues wie man das Gefühl haben könnte. Die Idee von Design Thinking wurde bereits 1991 durch die bekannte Design- und Innovationsagentur IDEO begründet

Unter Design Thinking versteht man eine Denk- und Vorgehensweise für die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Im Unterschied zu anderen Methoden orientiert man sich radikal an den Bedürfnissen eines Kunden sowie dessen Nutzen dabei. Wichtigstes Credo dabei ist eine iterative und schnelle Vorgehensweise (mit einfachen Werkzeugen), sowie der Einsatz von Hilfsmittel wie einem Customer Journey Mapping oder Personas (welche für typische Kundengruppen/nutzer sinnbildlich stehen).

Das folgende Youtube-Video gibt einen kurzen und prägnanten Einstieg ins Thema.

https://www.youtube.com/watch?v=_r0VX-aU_T8

Wer sich noch weiter mit dem Thema auseinander setzen will, empfehle ich den Artikel der Nielsen Norman Group (eine bekannte Unternehmung für Studien im Bereich User Experience).

https://www.nngroup.com/articles/design-thinking/

Zudem gibt es mittlerweile eine Tonne an Büchern zum Thema. Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist das Buch „Das Design Thinking Playbook“ von verschiedenen Autoren (Lewrick, Leifer, Langensand).

(ISBN: 978-3800656370)

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