Monatsbericht VZ Innovation Lab – November 2017

Lieber als PDF lesen? https://vzilab.ch/wp-content/uploads/2017/11/Monatsbericht-2017-11.pdf

Ist künstliche Intelligenz wirklich intelligent?

Mittlerweile vergeht kein Tag ohne dass nicht irgendwo über künstliche Intelligenz welche kurz vor dem Durchbruch stehe berichtet wird. Es gibt auch bereits prominente Stimmen welche vehement davor warnen und den Untergang der Menschheit prophezeien. Wie immer bei solchen Diskussionen liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Weder werden morgen die Roboter die Menschheit zu Statisten degradieren, noch werden die Forschungsergebnisse keinerlei Einfluss auf unser tägliches Leben haben.

Ein aus meiner Sicht aber sehr wichtiger Aspekt welcher in all den Diskussionen immer untergeht ist die Frage was man unter Intelligenz genau versteht. Ist eine Ameise intelligent? Wie Rolf Pfeifer im lesenswerten Interview [1] ausführt gibt es hierbei schon verschiedene Meinungen. Und genauso verhält es sich auch mit der künstlichen Intelligenz.

Aus meiner Sicht gilt es hier zwischen den verschiedenen Strömungen und technischen Lösungen stark zu unterscheiden. Was heute primär produktiv bereits angewendet wird, ist das sogenannte Machine Learning (oft auch Deep Learning genannt). Hierbei lernt ein Algorithmus aus riesigen Datenbeständen und leitet passende Muster ab. Diese Muster werden danach in den einzelnen Anwendungsfällen angewendet. Dies hat aber mit einer künstlichen Intelligenz gar nichts zu tun, sondern ist mehr oder weniger reine Statistik. Auf uns Menschen wirken diese Aktionen/Empfehlungen dann aber intelligent. Natürlich kann man sich die Frage stellen wo jetzt der Unterschied ist zu einer richtigen Intelligenz, wenn diese als solche wahrgenommen wird. Dabei bewegt man sich aber sehr schnell in philosophische Gebiete.

Der Schweizer Pascal Kaufmann – Inhaber der Firma Starmind und selber international anerkannter Neurowissenschaftler – äussert sich hier sehr dediziert und sagt, dass wir von einer «richtigen» künstlichen Intelligenz noch Jahrzehnte entfernt sind und die heutigen Lösungen mehr ein «humans in the Box» (in Anlehnung an den Schachtürken) sind [2].

Lösungen aus dem Bereich des Machine Learning werden in den nächsten Jahren einen grossen Einfluss auf die Gesellschaft haben. Damit lassen sich viele Jobs und Tätigkeiten automatisieren. Jedoch wird es weiterhin viele Bereiche geben, wo eine menschliche Intelligenz überlegen sein wird und nicht automatisiert werden kann. Die Frage stellt sich nur wie gross das Verhältnis zwischen den zwei Polen sein wird.

[1] Interview mit Rolf Pfeifer – “Schauen Sie mal nach draussen! – Wo sehen Sie selbstfahrende Autos?”
http://www.netzwoche.ch/news/2017-10-27/schauen-sie-mal-nach-draussen-wo-sehen-sie-selbstfahrende-autos

[2] Warum künstliche Intelligenz nicht intelligent ist
http://www.netzwoche.ch/news/2017-03-15/warum-kuenstliche-intelligenz-nicht-intelligent-ist

Weiterführende Artikel

Künstliche Intelligenz – Marketing oder Game Changer?
http://www.hwzdigital.ch/kuenstliche-intelligenz-marketing-oder-game-changer/

[Video] The Difference Between AI and Machine Learning
https://www.intel.com/content/www/us/en/analytics/ai-luminary-reza-zadeh-video.html

Nennenswerte Marktentwicklungen

Stellungnahme Schweizer Bankiervereinigung zu PSD2 Zahlungsdirektive aus dem EU-Raum

Im EU-Raum wird ab dem 1. Januar 2018 die Zahlungsdirektive PSD 2 verpflichtend für alle Finanzinstitute welche damit ihre Konten für Dritte öffnen müssen. Auf weiterführende Erläuterung von PSD 2 verzichte ich hier und verweise auf [1].

Auch der Finanzplatz Schweiz wird sich mittelfristig mit PSD 2 auseinandersetzen müssen. Die Schweizer Bankiervereinigung hat sich vorsorglich mit einer Stellungnahme zum Thema geäussert und lehnt eine Regulierung wie im EU-Raum ab [2]. Details dazu unter [3] und auf dem VZ Innovation Blog inklusive meiner persönlichen Meinung [4].

[1] EU öffnet Konti mit der Brechstange
https://vzilab.ch/2017/03/29/eu-oeffnet-bankkonti-mit-der-brechstange/

[2] Positionspapier der SBVg zu PSD 2
http://www.swissbanking.org/de/themen/aktuell/20170707-5000-all-positionspapier-psd2.pdf

[3] Analyse von Finews
https://www.finews.ch/news/banken/29002-sbvg-bankiervereinigung-psd2-zahlungsdirektive-open-banking-positionspapier

[4] PSD2 und die Schweiz
https://vzilab.ch/2017/10/09/psd2-und-die-schweiz/

Swiss Life beteiligt sich an Bexio

Swiss Life beteiligt sich an der Software-Firme Bexio welche Business Software für Kleinunternehmen entwickelt [1]. Die Software unterstützt bei der Buchhaltung, Fakturierung und  Lohnhandling [2]. Interessant an der Lösung von Bexio ist, dass sie heute eine integrierte Schnittstelle zu den Plattformen aller grossen Banken hat. Die UBS war hierbei führend und hat diese Möglichkeit mit Bexio zusammen entwickelt und bietet eine breite Integration an (z.B. Liquiditätscockpit) [3]. Swiss Life möchte gemäss eigenen Aussagen «die nahtlose und automatisierte Integration von Personenversicherungen in die bexio-Lohnbuchhaltung ermöglichen.» [4] [1] Swiss Life Bexio Akquisition
https://www.finews.ch/news/versicherungen/29376-swiss-life-bexio-akquisition-fintech

[2] Bexio Produktübersicht
https://www.bexio.com/de-CH/produktuebersicht.html

[3] UBS & Bexio
https://www.ubs.com/microsites/bexio/de.html

[4] Medienmitteilung Swiss Life
https://www.bexio.com/de-CH/blog/view/swisslife.html

Hypotheken Marktplatz

Das aargauische Startup Hypoguide hat einen Marktplatz für Hypotheken namens «hypoauktion.ch» lanciert [1]. Dabei handelt es sich um eine Plattform wo Privatkunden ihre Hypothekaranfragen platzieren können und Kreditgeber jeglicher Art ein Angebot unterbreiten können. Die Angebote der Konkurrenten sind dabei sichtbar und können innerhalb von fünf Tagen angepasst werden. Gemäss Angaben von Hypoguide wurden bisher 57 Auktionen mit einem Gesamtvolumen von 22 Millionen CHF durchgeführt [2].

[1] hypoauktion – Ihr Marktplatz für Hypotheken
https://hypoauktion.ch/de

[2] Aargauer Fintech lanciert «Hypotheken-Basar»
https://www.finews.ch/news/banken/29333-fintech-hypoguide-hypoauktion-hypotheken-ubs-credit-suisse-raiffeisen-postfinance-mathias-joss

Schweizer Startup arbeitet mit Uni Zürich an einer E-Voting Lösung auf Basis der Blockchain

Der Bereich «Communication Systems Group» der Universität Zürich arbeitet zusammen mit dem Zuger Startup «Procivis» [1] an einer E-Voting Blockchain Plattform für die Schweiz. Diese wird dabei auf Basis der Blockchain Plattform «Ethereum» entwickelt [2].

Procivis arbeitet bereits mit dem Kanton Schaffhausen an einer elektronischen Identität auf Blockchain Basis. Ebenfalls ist das Startup mit diversen Organisationen innerhalb der UNO sowie der Weltbank in Gesprächen.

[1] Homepage Procivis
https://procivis.ch/

[2] Procivis und Uni Zürich arbeiten an Blockchain-E-Voting-Lösung
http://www.itmagazine.ch/Artikel/65607/Procivis_und_Uni_Zuerich_arbeiten_an_Blockchain-E-Voting-Loesung.html

Interessante Lösungen

Advonum entwickelt eine Fahrzeuge Blockchain

Das Schweizer Software-Unternehmen Advonum entwickelt in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich, Hochschule Luzern, Amag, Axa und Mobility und dem Strassenverkehrsamt Aargau eine Blockchain Lösung für eine digitales Dossier von Fahrzeugen [1][2]. Das Vorhaben wird durch das KTI (Eidgenössische Kommission für Technologie und Innovation) mitfinanziert.

Das langfristige Ziel dabei ist, dass jedes Fahrzeug welches in der Schweiz zugelassen wird in der Blockchain vermerkt ist. Der erste Anwendungsfall zielt dabei auf den Eigentümerwechsel im Gebrauchtwagenmarkt. Hier eignet sich die Blockchain aus meiner Sicht perfekt. Es hat viele Parteien, das Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern fehlt vollkommen und eine Transparenz wäre sinnvoll. Zudem gäbe es auch viele Gewinne im Effizienzbereich (man denke nur an das Umschreiben bei den Strassenverkehrsämtern). Wenn man die Überlegungen aber weiterspannt so kann man noch unzählige Anwendungsfälle finden (Versicherungen, Flottenmanager, Internet of Things z.B. mit Mietfahrzeugen).

[1] AdNovum entwickelt digitales Dossier für Fahrzeuge auf Blockchain-Basis
https://www.adnovum.ch/de/unternehmen/medien/medienmitteilungen/2017/adnovum_entwickelt_digitales_dossier_fuer_fahrzeuge_auf_blockchain_basis

[2] AdNovum entwickelt Auto-Dossier auf Blockchainbasis
http://www.inside-it.ch/articles/48994

Teambrella startet dezentrale, blockchainbasierte Versicherungslösungen in Südamerika & Holland

Das Versicherungsthema ist prädestiniert für eine Umsetzung mittels Blockchain Technologien und Smart Contracts. Sie stellt Vertrauen ohne Mittelsmann digital und sicher her und stellt mit Smart Contracts eine automatische Einhaltung und Ausführung der Versicherungsbedingungen sicher.

Teambrella [1] ist ein russisches Startup und bietet nun eine solche erste dezentrale Versicherung an. Zwar werden hierbei eher eine spezielle Risikoart versichert (Katzen und Hunde gegen Krankheit und Verletzung…), jedoch geht es dabei mehr um ein Proof of Concept einer solchen Lösung [2]. Spannend ist, dass auch die Feststellung eines Schaden dezentral organisiert ist und nicht durch eine zentrale Instanz gemacht wird, sondern demokratisch durch alle Teilnehmer der Blockchain.

[1] Homepage von Teambrella
https://teambrella.com/

[2]  Teambrella, die dezentrale Versicherung, startet in Südamerika und den Niederlanden
https://bitcoinblog.de/2017/09/19/teambrella-die-dezentrale-versicherung-startet-in-suedamerika-und-den-niederlanden/

 

Monzo Debitkarte

Meiner Meinung nach müssen Innovationen nicht immer fancy und sexy sein, sondern es reicht oft schon wenn bisheriges einfach fundamental besser gemacht wird. Ein tolles Beispiel dieser Kategorie ist die EC-Karte der Monzo Bank in UK [1]. Innerhalb eines Jahres hat das Startup 400’000 Kunden hinter sich scharen können. Aber was ist der USP dahinter? Ganz einfach; ihr Angebot ist zu hundert Prozent auf die Smartphone Generation ausgerichtet. Was bedeutet dies? Sehr einfache Bedienung und alles über eine App, alle Informationen in Echtzeit sowie intelligente Benachrichtigungen.

So werden alle Transaktionen in Echtzeit auf dem Smartphone ausgewiesen und man erhält – wenn gewünscht – eine Benachrichtigung. Auch bei Zahlungseingängen wird man direkt benachrichtigt. Man muss nicht erst über Nacht warten bis diese ersichtlich sind. Die Transaktionen werden direkt kategorisiert und bieten eine gute Übersicht. Auch die (temporäre) Sperrung der Karte kann direkt über die App sehr schnell selber und kostenlos gemacht werden (welche CH-Bank bietet so was…. ).

Wer weiss wie zähflüssig, altbacken und mühsam die IT-Prozesse der bestehenden Banken sind, wird auch realisieren was für ein Quantensprung die Lösung im Betrieb sein kann.

[1] Monzo Bank
https://monzo.com/

[2] Die Briten sind verrückt nach dieser EC-Karte
https://www.welt.de/wirtschaft/article169651919/Die-Briten-sind-verrueckt-nach-dieser-EC-Karte.html

Ausbildungsartikel des Monats

Die Blockchain ist in aller Munde und mittlerweile trudeln auch die ersten produktiven Lösungen ein. Bitcoin als Währung – egal was man davon hält – ist schon viel länger auf dem Markt. Genau genommen seit 2008. Begründet hat das Konzept von Bitcoin & Blockchain Satoshi Nakamoto in einem Whitepaper. Es dürfte nur wenige Whitepaper geben welchen einen so gewaltigen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben werden.

Aus meiner Sicht gehört es zur Pflichtlektüre eines jeden, dass man das achtseitige Dokument gelesen hat. Auch wenn es vereinzelt mathematische Konzepte erklärt, so ist es allgemein gut verständlich.

Englisches Original: https://bitcoin.org/bitcoin.pdf
Deutsche Übersetzung: https://www.bitcoin.de/bitcoin.pdf

Interessant ist, dass der Begriff «Blockchain» nirgends von Nakamoto verwendet wird. Es ist nur die Rede von «chain of blocks». Nakamoto selber ist eine unbekannte Person und man geht davon aus, dass es sich um ein Pseudonym handelt. Nachdem das Whitepaper publiziert und in Insiderkreisen diskutiert wurde, hat sich Nakamoto zurückgezogen und ist seitdem nicht mehr in Erscheinung getreten.

Gadget des Monats

Wer kennt es nicht. Man bestellt ein Paket und niemand ist zu Hause um es entgegenzunehmen. Ein Gang zur Post ist notwendig oder man nutzt andere Möglichkeiten (wie die Schliessfächer am Bahnhof). Was wäre jedoch, wenn man temporär die Türe öffnen könnte, der Postbote das Paket ins Haus legt und danach die Türe wieder verschlossen wird?

Genau dies verspricht Amazon mit einer neuen Lösung namens «Amazon Key In-Home Kit» welche bald in den USA auf den Markt kommt. Lange Erklärungen bringen hier nichts – unbedingt das Video dazu anschauen.

https://www.wired.com/story/amazon-key-and-cloud-cam/

 

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