Monatsbericht VZ Innovation Lab – September 2017

Lieber als PDF lesen? https://vzilab.ch/wp-content/uploads/2017/08/Monatsbericht-2017-09.pdf

Neue Fintech Regulationen in der Schweiz

Es war bereits länger absehbar – nun ist es definitiv. Die Schweiz respektive der Bundesrat hat neue Regeln rund um Fintechs erlassen [1]. Diese traten durch eine Änderung der Bankenverordnung per 1. August 2017 in Kraft. Wichtig ist aber, dass diese Regeländerungen nicht nur für Fintechs gelten sondern genauso für etablierte Finanzdienstleister.

Folgende Änderungen sind Bestandteil:

  • Die Frist zur Entgegennahme von Geldern welche zu reinen Abwicklungszwecken entgegen genommen werden, wurde von 7 auf 60 Tage erweitert.
  • Bis zu einem Volumen von 1 Million CHF an Publikumseinlagen gilt dies nicht mehr als gewerbsmässig und es braucht keine Bewilligung mehr der Finma. Die Unternehmen sind aber verpflichtet ihre Kunden darauf hinzuweisen, dass die Einlagen nicht mehr der Einlagensicherung unterstehen.
  • Geplant wird eine neue „Bankenkategorie“ welche bei Publikumseinlagen bis 100 Millionen CHF ein erleichterte Bewilligungs- und Betriebsvoraussetzungen mit sich bringt. Dies tritt aber noch nicht per 1.8. in Kraft, sondern muss im Herbst noch im Nationalrat debattiert werden.

Obwohl anfangs davon ausgegangen wurde, dass mit dieser neuen Regelung auch die Limitierung bei Darlehen auf 20 Darlehensnehmer aufgehoben wird, ist dies nun doch nicht komplett der Fall. Dies hat ein Nachfragen des Crowdlending Anbieter „Cashare“ beim Eidgenössischen Finanzdepartment ergeben. So bleibt die Regelung im Privatkundenbereich bestehen [2]. Sollte dieser Umstand so bleiben und nicht doch noch angepasst werden (z.B. in der Herbstsession), so bleiben Crowdlending Modelle in der Schweiz mehr oder weniger unmöglich.

[1] Medienmitteilung des Bundesrates und detaillierte Informationen zur Anpassung
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-67436.html

[2] Halbherzige neue Fintech-Regeln
http://startupticker.ch/en/news/august-2017/halbherzige-neue-fintech-regeln

Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies

Einmal jährlich veröffentlicht das Marktforschungsunternehmen Gartner Group ihren Hype Cycle for Emerging Technologies [1]. Dabei wird versucht eine Einschätzung der Chancen und des Entwicklungsstand von zukünftigen Technologien abzugeben.

Natürlich ist da – wie bei jeder Zukunftsprognose – viel Unsicherheit und auch Zufall Bestandteil. Jedoch haben sich die Vorhersagen in der Vergangenheit oft als nicht ganz falsch herausgestellt und darum geniesst die Einschätzung unter Experten auch ein gutes Ansehen.

Für mich relevant sind folgende Tendenzen/Verschiebungen im Vergleich zu den Vorjahren.

  • Das Thema Machine Learning ist aktuell auf dem Peak und dürfte sich bald in eine Abwärtsbewegung aufmachen. Immer mehr kommen auch kritische Stimmen welche Machine Learning und künstliche Intelligenz hinterfragen und die negativen Seiten als wesentlich einschätzen (z.B. Rassendiskrimierung durch solche Systeme). Neben den technologischen Faktoren wird hier aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Diskussion nötig sein bevor Machine Learning flächendeckend akzeptiert ist.
  • Blockchain hat einen grossen Satz gemacht und befindet sich im Fall in das „Tal der Desillusionierung“. Ich denke, dass diese Interpretation korrekt ist. Aktuell wird vielerorts die Blockchain als der grosse Heilsbringer angeschaut und es herrscht Goldgräberstimmung (Beispiel Bitcoin). Es ist gut möglich, dass wir hier kurz vor einem „Crash“ stehen und der Nutzen von Blockchain als Technologie hinterfragt wird. Ich bin aber überzeugt, dass das Durchschreiten der Talsohle im Falle von Blockchain sehr schnell passieren wird und in 2-3 Jahren das Plateau der Produktivität erreicht wird.
  • Virtual Reality hat sich nicht wesentlich verschoben, bleibt aber kurz vor der Massentauglichkeit. Ich teile diese Meinung vollumfänglich. Alle grossen Digitalunternehmungen (Apple, Google etc.) haben oder werden in Kürze Anwendungen in diesem Bereich anbieten. Ich gehe davon aus, dass wir hier kurz davor stehen dass Anwendungen/Nutzungsmöglichkeiten den Durchbruch in diesem Bereich schaffen. In 5-6 Jahren wird Virtual Reality etwas alltägliches sein wie fernsehen.
  • Man beachte: das Thema Big Data ist schon gar nicht mehr auf der Curve enthalten, sondern wird heute als Alltag angeschaut (letztmals im 2015).
[1] Die detaillierte Studie der Gartner Group ist nur gegen viel Geld erhältlich. Eine Zusammenfassung kann aber hier gelesen werden
http://www.gartner.com/smarterwithgartner/top-trends-in-the-gartner-hype-cycle-for-emerging-technologies-2017

 

Kursexplosion der virtuellen Währungen und eine grosse Spaltung

In den vergangenen Sommerwochen haben die virtuellen Währungen eine wahre Kurs- und Volumenexplosion erlebt. So hatte Bitcoin Anfang Mai einen Kurs von 1‘370 USD und eine Marktkapitalisierung von rund 22 Mia USD. Mittlerweile (Stand 29.8.) einen Kurs von 4‘500 USD und eine Kapitalisierung von rund 75 Mia USD.

Per 1. August gab es im Bitcoin Netzwerk zudem eine Abspaltung eines Teils der Währung. Neu gibt es neben dem „normalen“ Bitcoin die Währung Bitcoin Cash. Eine Hintergrunderklärung der Abspaltung würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Das Online-Portal Watson hat hierbei aber eine gute und auch für Nicht-Experten verständliche Zusammenfassung geschrieben [1].

Aber nicht nur Bitcoin hatte einen enormen Zuwachs auch der restliche Bereich der virtuellen Währungen ist sprunghaft gestiegen. Die Marktkapitalisierung aller relevanten virtuellen Währungen betrug Anfang Mai rund 37 Mia USD. In der Zwischenzeit hat eine Verdreifachung stattgefunden auf rund 164 Mia USD.

https://coinmarketcap.com/charts/

Namhafte Institute haben verlauten lassen, dass sie virtuelle Währungen (nicht nur Bitcoin!)in Zukunft in Investmentstrategien berücksichtigen wollen [2].

In der Schweiz bieten mittlerweile die Falcon Bank und Swissquote ihren Kunden die Möglichkeit Bitcoin direkt zu erwerben [3][4]. Die Falcon Privatbank arbeitet hierbei mit Bitcoin Suisse zusammen, Swissquote mit der luxemburgischen Firma Bitstamp.

[1] Hallo Bitcoin Cash! Was du jetzt über die neue Digital-Währung wissen solltest
http://www.watson.ch/Digital/Wirtschaft/196953274-Hallo-Bitcoin-Cash!-Was-du-jetzt-%C3%BCber-die-neue-Digital-W%C3%A4hrung-wissen-solltest

[2] Here’s What Goldman Is Telling Big Money Clients About Bitcoin
https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-08-09/here-s-what-goldman-is-telling-big-money-clients-about-bitcoin

[3] Falcon steigt in Bitcoin-Markt ein
http://www.finews.ch/news/banken/28131-falcon-bitcoin-bitcoin-suisse-nikolajsen-krypto

[4] Swissquote bietet jetzt den Kauf von Bitcoin an
http://www.handelszeitung.ch/invest/swissquote-bietet-jetzt-den-kauf-von-bitcoin-1443678

Nennenswerte Marktentwicklungen

Versicherungsbroker ASSEPRO investiert in esurance.ch

Esurance.ch ist ein Anbieter einer digitalen Privatkunden-Brokerage Lösung (ähnlich Knip). Gemäss Mitteilung der beiden Unternehmung bleibt Esurance.ch eigenständig und unter der bestehende Marke bestehen.

http://startupticker.ch/en/news/august-2017/versicherungsbroker-investiert-in-insurtech-startup-esurance-ch

Basler Kantonalbank (BKB) eröffnet digitale Filiale

Die BKB hat eine digitale Filiale eröffnet wo der Kunde wie in einer physischen Filiale die wichtigsten Dinge online erledigen kann. So besteht auch die Möglichkeit online Kunde zu werden und direkt ein Termin zu vereinbaren. Die Plattform ist auf verschiedenen Plattform nutzbar und wurde mittels einer Lösung der Zürcher Software Firma ti&m entwicklelt.

Auf den ersten Blick sieht die Lösung nicht speziell aus und sieht mehr nach einer Aggregation von bestehenden Funktionen aus. Interessant wirkt die Idee mit dem Zusammenzug und der Analogie zur Filiale. Ich bezweifle jedoch, dass dies nennenswerte Vorteile gegenüber anderen Lösungen bietet.

http://www.netzwoche.ch/news/2017-08-25/basler-kantonalbank-eroeffnet-digitale-filiale
https://community.mybkb.ch/portal/web/bkb/virtual-bank

Credit-Suisse plant den Start einer Blockchain-basierten Darlehens-Plattform

Die Credit-Suisse ist an einem Pilotprojekt dran, welches das Ziel hat eine Blockchain-Plattform zu schaffen wo Kreditgeber ihr Handling effizienter gestalten können. Genaueres ist nicht zu erfahren, der Leiter der Credit-Suisse Blockchain-Gruppe sagt einzig „Wir arbeiten daran, ein paar Dutzend kleinere Darlehenstransaktionen, an denen wir oder eine andere teilnehmende Bank der Agent ist, durchzuführen. Das Ganze soll über eine Distributed Ledger Plattform anhand von Smart Contracts funktionieren. Geplant ist eine funktionsfähige Version für das nächste Jahr.“

Der ganze Bereich der Kreditabwicklung unter den Finanzinstituten bietet sich hervorragend an für eine Blockchain-Umsetzung und dürfte bei einer produktiven Umsetzung einen sehr hohen Benefit im Bereich Effizienz bringen.

https://www.btc-echo.de/credit-suisse-plant-fuer-2018-den-start-einer-blockchain-basierten-darlehen-plattform

Spannende Lösungen

Credit Suisse bringt elektronisches Sparkässeli

Die folgende Lösung hätte es locker auch in die Kategorie „Gadget des Monats“ geschafft.

Die Credit Suisse hat ein neuartiges, digital vernetztes Sparkässeli namens „Digipigi“ lanciert. Sobald ein Geldeingang beim hinterlegten Konto (nicht direkt im Kässeli…!) eingeht, lächelt das Säuli. Wenn man Geld ins Kässeli wirft, muss man dies zuerst via einer App (welches mit dem Säuli verbunden ist) melden. Danach gibt’s dann aber auch ein Lächeln J. Das Säuli kann nicht nur Lächeln, sondern beherrscht noch andere Mimiken und Geräusche. Zudem können die Kinder das Säuli selber gestalten [1] [2]. Technisch realisiert wurde das Säuli von der Schlierener Software-Entwicklungsfirma Zühlke.

Das digitale Kässeli gibt vergleichsweise sehr hohe Zinsen (bis CHF 1‘000 5%, danach 1%). Voraussetzung ist jedoch, dass die Eltern ebenfalls Kunden bei der CS sind. Die Credit Suisse richtet sich mit diesem Angebot gemäss Eigenaussage [3] nicht direkt an Kinder, sondern deren Eltern. Ebenfalls ist eine Kooperation mit Pro Juventute geplant, welche den Kindern spielerisch den Umgang mit Geld über digitale Kanäle näher bringen soll. So können die Kinder Sparziele definieren, deren Fortschritt verfolgen und via Ämtli-Einnahmen das Ziel versuchen zu erreichen.

Auch wenn das ganze aktuell mehr als Gag daherkommt, so gibt es zwei Dinge welche ich sehr spannend finde.

Einerseits die digitale Verknüpfung eines physischen Gegenstands mit einem Online-Ökosystem (App, Webseite etc.). So etwas ist aus meiner Sicht im Schweizer Finanzsektor einmalig. Allgemein schätze ich das Potential von solchen „Internet of Things“ Anwendungen als sehr hoch ein – langfristig auch im Finansektor. Siehe weiterführendes dazu auch im Abschnitt „Weiterbildungsvideo des Monats“.

Anderseits ist auch der Ansatz einer Kooperation mit Pro Juventute für den Aufbau einer Ausbildungsplattform interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass es das Ziel ist, einen primären Touchpoint mit den Kindern über eine App herzustellen und langfristige auch andere Angebote (nicht nur Bankprodukte!) darüber zu vertreiben Daneben ist sicher auch die Kundenbindung ein wichtiger Faktor – was aber in dem Sinne nichts Neues ist.

[1] Das erste digitale Sparkässeli der Schweiz
https://www.credit-suisse.com/ch/de/privatkunden/konten-und-karten/viva-kids.html

[2] Gib Deinem Sparkässeli ein Gesicht
https://www.credit-suisse.com/media/assets/private-banking/docs/ch/privatkunden/konten-und-karten/vivakids/viva-kids-digipigi-schnipsel-de.pdf

[3] Interview mit Marketingchef Tarkan Özküp
http://www.persoenlich.com/marketing/darin-steckt-unheimlich-viel-herzblut-der-cs

Firstyou24.ch – digitale Versicherungsauktion

Die Idee hinter Firstyou24.ch ist die Umkehrung des Versicherungsprozesses. So hat ein Kunde die Möglichkeit seine Versicherungen bei Firstyou24.ch zu hinterlegen und daraufhin können interessierte Versicherungen sich um den Kunden bewerben. Zumindest wird dies so im „wie es funktioniert“ beschrieben [1].

Ich zweifle, dass die Umkehrung des Versicherungsprozesses im Privatkundenbereich so funktioniert. Da müsste eine grosse Masse an Kunden vorhanden sein, dass sich Versicherungen dem Prozess so anpassen würden. Und mit den heutigen Vergleichsportalen hat sich der Prozess für Privatkunden sowieso vereinfacht und ermöglicht ihm Kosten zu sparen. Im Firmenkundenbereich ist das heute sowieso schon teilweise etabliert. Hingegen vermute ich, dass die Lösung ein ähnliches Vorgehensmodell hat wie Knip & Co wo der Broker die Anfrage bei der Versicherung macht.

Spannend finde ich aber die grundsätzliche Überlegung der Prozessumkehr. Das Internet ermöglicht durch die geringen respektive kaum vorhandenen Grenzkosten ganz andere Geschäftsmodelle als diese in der „analogen“ Welt möglich sind. Dies schafft erst überhaupt die Grundlage für ein Angebot wie auf Firstyou24.ch skizziert.

[1] Erklärvideo: https://www.youtube.com/watch?v=6LDrjfjgGFs

Webseite: https://www.firstyou24.ch

Weiterbildungsvideo des Monats

Natürlich könnte man an dieser Stelle das Webinar des VZ Innovation Lab zum Thema „Blockchain und virtuelle Währungen“ empfehlen. Ich gehe aber davon aus, dass ein Grossteil der Leser dieses Berichts das Video/Präsentation schon gesehen hat. Ansonsten würde ich dies unbedingt noch empfehlen. Das Video findet man unter folgendem Link (Dauer ca. 45 Minuten).

Das Internet of Things beschreibt die Vision einer globalen, allumfassenden Infrastruktur wo alle physischen Gegenstände miteinander vernetzt sind und aufeinander reagieren können. Ohne dass wir es merken oder wissen sind schon heute viele Geräte welche wir tagtäglich nutzen miteinander verbunden. Das können so offensichtliche Dinge wie das Smartphone sein, aber auch Dinge wo wir auf den ersten Blick nicht dran denken (z.B. das Auto).

Was bedeutet, dass aber wenn unsere Geräte miteinander vernetzt sind? Was bringt dies der Gesellschaft und mir. Das Video des Youtube Kanal „Forward Thinking“ fasst den Begriff und die Möglichkeiten gut zusammen.

Gadget des Monats

Die Drohnentechnologie entwickelt sich rasant weiter. Vor ein paar Jahren noch eine teure Sache und nur für hochspezialisierte Unternehmungen zugänglich, ist eine autonome Drohne mit Intelligenz auch für den normalen Benutzer heute erschwinglich und nutzbar.

Die Firma DJI aus China ist hierbei weltweit unangefochtener Marktführer (B2B & B2C) und hat diesen Sommer die DJI Spark lanciert. Dabei handelt es sich eine Drohne welche in die Handtasche passt, dabei aber alle Eigenschaften einer professionellen Drohne besitzt. Sie hat sehr gute Flugeigenschaften (z.B. absolute Stabilität auch bei Wind), erkennt Hindernisse automatisch und besitzt eine sehr gute, eingebaute Kamera. Der Clou an der DJI Spark sind jedoch die intelligenten Flugmodus. So kann die Drohne mittels Handbewegungen welche von der Drohne visuell erkannt werden, gesteuert werden und kann Objekte (Mensch, Tier etc.) automatisch verfolgen welche sich bewegen.

Die Produktseite findet man hier: https://www.dji.com/de/spark

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